Woodward Dream Cruise 2001


Woodward Avenue - was ist das ?

Woodward Avenue, ewig in der Erinnerung der Leute, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in Detroit aufwuchsen, galt damals als einer der aller berühmtesten und berüchtigtsten “Cruising Strips” der Welt! Woodward Avenue war nicht nur die Straße in der die Ingenieure der großen Autofabriken ihre neuesten Entwicklungen testeten, wo junge Leute sich zu diversen Flirts trafen und jede Menge Unsinn ausheckten, sondern auch die Strecke auf der sich ehrgeizige Dragracer mit ihren heißen Mühlen die wildesten Schlachten lieferten! Viele glaubten mit ihren teuren Exoten unschlagbar zu sein, solange bis sie von einer der “Bestien der Woodward” mit aufheulendem V-8 und brennendem Gummi in ihre Schranken gewiesen wurden. Fast alle Jungs und somanche Mädchen hatten auf dieser Straße ihr erstes Dragrace, teils mit gutem, teils mit weniger gutem Erfolg. 

Aber die “Woodward Avenue Szene” bestand nicht nur aus Autos und Straßenrennen von Ampel zu Ampel.Susie Q Drive In Es war auch der Ort wo man sich traf und wo man Mädchen aufreißen konnte!  Ganze Völkerwanderungen von einem Drive-In zum anderen fanden statt. Zu ihrer Glanzzeit befanden sich 34 Diners auf einem nur acht Meilen langen Teilstück der Woodward! Die meisten waren Drive-Ins. Da war der Totem Pole, das Susie Q (rechts abgebildet), das Biff´s, das Varsity, das Bel Aire, das Mars, oder Jumbo Jim’s Big Boy. Das wohl berühmteste von allen aber war Ted’s (siehe Abbildung unten). Zu Ted’s kamen die heißesten Öfen um sich bewundern zu lassen. Während die herumhängenden Leute die Autos bestaunten, diskutierten die Fahrer über die Vorzüge ihrer oft extrem wilden Umbauten, nicht ohne kurz darauf auf die Woodward rauszurollen und alles mit Beweisen zu untermauern! 

Newcomer waren immer willkommene Opfer. So manche Wette wurde verloren und viele Dollars wechselten den Besitzer, oft sogar ganze Fahrzeuge.  Während des Sommers fanden die Dragraces auf der Woodward Avenue mit der selben Regelmäßigkeit jeden Freitag und Samstag nachts statt wie die Spiele der Tigers unten im Briggs Stadion.Ted's Drive InNatürlich waren die Rennen immer illegal! Die Behörden sahen aber die meiste Zeit in die andere Richtung. Auch als sich der bei den Jugendlichen so beliebte Sport zu Ende der Fünfzigerjahre über das erträgliche Maß ausweitete, waren den Polizisten meistens die Hände gebunden, da die Woodward durch verschiedene Gemeinden führte. Die Polizei durfte auch bei Verfolgungsjagden ihre Stadtgrenze nicht überqueren, außer im Falle eines Kapitalverbrechens. Die Gemeinden, die an der Woodward lagen waren Ferndale, Royal Oak, Pleasant Ridge, Huntington Woods und Berkeley nach Süden, sowie Birmingham und Bloomfield Hills nach Norden. Der interessanteste Teil der achtspurigen Straße lag zwischen der nördlichen Stadtgrenze von Detroit und den nördlichen Außenbezirken. Die meiste Action spielte sich in diesem Gebiet ab. Fast alle Drive-Ins, Tankstellen und Geschäfte befanden sich dort, außer das Ted’s, welches weiter nördlich lag, fast an der Stadtgrenze von Pontiac. 

Verbotstafel Mit der Zeit, als das Unwesen der Street Races ausuferte, schlossen sich die diversen Gemeinden zusammen und vereinbarten die Gesetzesübertreter über die Stadtgrenzen hinaus verfolgen zu dürfen. Die Drag Fans reagierten darauf mit der Verlegung ihrer Aktivitäten auf die Telegraph Road, einer benachbarten ebenfalls von Norden nach Süden verlaufenden sechs- oder achtspurigen Hauptstraße mit genau einer Meile von einer Ampel zur anderen. Aber trotzdem blieb die Woodward Avenue die Heimat der Cruisers. Zumindest solange bis Ende der Sechzigerjahre das Cruising auf der Woodward Avenue von der Polizei verboten wurde. Überall wurden Verbotstafeln aufgestellt. Trotz der massiven Proteste der Jugendlichen und der ansässigen Geschäftsleute, besonders der Restaurantbesitzer natürlich, war dieses “mobile Kommunikationszentrum” verloren. Übereifrige Cops verteilten Tickets wo sie nur konnten. Die autobesessene Jugend von Detroit hatte ihren geliebten Strip verloren. Ironischerweise genau zu dem Zeitpunkt als Detroit die heißesten Street Machines aller Zeiten von den Bändern laufen ließ! Es war zu Beginn der Super Car Ära, als die Woodward aufgehört hatte als  “Real Life Teststrecke” zu dienen. Eine Ära war unwiederbringlich zu Ende! 

Die Woodward Avenue - ewig unvergessen!

Über all die seither vergangenen Jahre blieb die Woodward unwiderruflich in verklärter Erinnerung der damals Jugendlichen. Mittlerweile in ihren Sechzigern, hatten 1994 einige der damaligen „Halbstarken“ die Idee eine Veranstaltung zum Gedenken an das damalige Cruisen auf der Woodward  zu organisieren, mit dem Hintergedanken mit den Einnahmen die Errichtung eines Fußballplatzes für Kinder zu unterstützen. Der Erfolg des Events war so groß, dass man beschloss aus diesem Cruising eine alljährlich abgehaltene fixe Einrichtung zu machen.

Bequeme Zuschauer

Bequeme Zuschauer

Foto © Bill Zinchuck

Das am 17. und 18. August 2001 abgehaltene mittlerweile „7. Woodward Dreamcruise“ erstreckte sich über eine Strecke von ca. 25 Kilometern, meistens achtspurig ausgebaut. Der Wettergott muss auch ein Cruiser sein, denn er zauberte ein brauchbares Wochenendwetter herbei, nicht zu kalt und nicht zu heiß, wie man es sich für eine solche Veranstaltung nur wünschen kann. Eine unglaubliche Anzahl von Zuschauern hatte sich eingefunden, nämlich über 1,5 Millionen Menschen! Sie säumten die Straße, viele hatten sich häuslich niedergelassen. Natürlich auf amerikanische Art: Man saß auf eigenen Klappstühlen oder sogar auf Wohnzimmersofas, das Bier und Coca Cola konnte aus den riesigen zu Hause vollgefüllten Kühlboxen genommen werden und daneben brutzelte das Mittagssteak am transportablen Holzkohlengrill! Viele hatten es sich schon einen Tag vor dem Cruise am Straßenrand bequem gemacht um nur ja einen guten Platz zu ergattern.

Stock oder Custom

Foto © Bill Zinchuck

Einige Kinder hatten sich sogar die Ladefläche eines Pickups mit Kunststofffolien ausgekleidet und diese dann mit Wasser gefüllt - fertig war das mobile Swimmingpool! Viele nutzten das Dach ihres Campers als ideale Beobachtungsplattform. Trotz der vielen Menschen, schließlich verteilten sie sich ja auf eine ungeheuer lange Strecke, gab es kein Gedränge und man konnte alles in Ruhe ansehen.

Stilechter Trailer

Foto © Bill Zinchuck

Es war unglaublich wie viele wirklich traumhaft schöne und echt exotische Autos zu diesem Happening der Superlative gekommen waren und ein einzigartiges Spektakel boten. Eine Unmenge an Fahrzeugen der näheren und weiteren Umgebung Detroits war gekommen und viele von sehr weit angereiste Enthusiasten ergänzten mit ihren Raritäten das Teilnehmerfeld. Man sah Fahrzeuge aus Ohio, Iowa, Indiana, California, und, und, und, ....... Selbstverständlich waren auch jede Menge Kanadische Autofreaks mit Ihren vierrädrigen Träumen erschienen. Die gesamte Veranstaltung war eine einzige Liebeserklärung an das Automobil! An diesem Tage konnte man seine Liebe zum Auto mit zahllosen anderen "Car People" teilen.

Bad Look!

Foto © Bill Zinchuck

Über 30.000 Hotrods, Klassiker, Customs, Muscle Cars, Corvettes, sowie jede Menge anderer Sportwagen und Exoten cruisten von Freitag nachmittags bis Sonntag abends ununterbrochen vor der versammelten Menschenmenge, meist im Schritt-Tempo. Beachtenswert war die Tatsache, dass trotz der heutzutage sehr starken Konkurrenz der Japanischen Fahrzeuge im amerikanischen Neuwagengeschäft Fahrzeuge dieser Kategorie völlig fehlten. Neben etlichen Europäischen Exemplaren dominierten selbstverständlich die Amerikanischen Autos die Veranstaltung.

Ford Model T

Ford Model T Truck

Foto © Bill Zinchuck

Man kann ruhig sagen, es handelte sich um den „schönsten Stau der Welt“. Die Polizei hatte die Organisation des Verkehrs in vorbildlicher Weise übernommen. An einem normalen Freitag versehen in Royal Oak, einer der Gemeinden, durch die das Cruising führt, 15 Polizeibeamte Dienst. An dem Freitag der Megaveranstaltung waren alleine in Royal Oaks 300 Polizisten im Dienst! Insgesamt taten über 1.000 Beamte, gestellt von den sieben Anrainergemeinden, welche von Abordnungen der Michigan State Police sowie dem Royal Oak Sheriff's Department unterstützt wurden. Natürlich gab es auch einige historische Polizeiautos, sowie einige wunderschöne Feuerwehrfahrzeuge und auch Militärfahrzeuge zu bewundern. 

Chevrolet Corvette Police Car

Police Corvette Z06

Foto © Bill Zinchuck

Für viele Beobachter gab es unglaubliches Staunen, als ein Streifenwagen des Bloomfield Hills Police Department vorbeirollte, den man sich bei uns nicht einmal mit größter Phantasie vorstellen kann: Es war eine nagelneue Corvette Z06, wie andere Corvettes auch, aber diese hatte außer der üblichen Vollausstattung auch noch Polizeilackierung und einen roten Lichtbalken.  Ein sich ganz normal im Dienst befindlicher Officer mischte sich damit unter die Cruiser ! Das ist Amerika !

Pontiac Custom vom Feinsten

Foto ©General Motors

Die einzelnen Gemeinden an der Strecke stellten Musikgruppen, diverse Attraktionen für Kinder und andere Unterhaltungen für die angereisten Autoliebhaber zur Verfügung. Der General Motors Konzern demonstrierte in einer eigenen Ausstellung, mittels über einhundert Autos aus der werkseigenen Sammlung und Kundenfahrzeugen, die Entwicklung seiner Marken. Besonders beeindruckend war die Ausstellung unzähliger historischer Concept Cars, dies sind Prototypen von Traumautos, die die Automobilkonzerne für großen Automobilshows gebaut hatten. 

Chevrolet Mako Shark

Foto ©General Motors

Die meisten davon gingen bekanntlich niemals in Serie. Taten sie es doch, wurden sie meistens ein enormer Verkaufserfolg, denken wir nur an die Split Window Corvette oder deren Nachfolgegeneration die auf dem Chevrolet Mako Shark basierte. General Motors nutzte das Woodward Dream Cruise auch zur publicityträchtigen Präsentation des ersten in Serie gebauten Chevrolet SSR, der vom Präsidenten von General Motors Rick Wagoner persönlich gelenkt wurde. 

Chevrolet SSR

Rick Wagoner am Steuer des neuen Chevrolet SSR

Foto ©General Motors

Eine Autozubehör-Handelskette zeigte in einer Ausstellung etliche NASCAR Rennautos, die bei der Jugend besonders populär zu sein schienen. Auch eine eigene Kinder-Disco gab es. Unzählige Verkaufsstände säumten die Straße, die vielen Imbiss- und Getränkebuden sorgten für das leibliche Wohl der Besucher. Alle lokalen Radiosender hatten ihre Reporter vor Ort und lieferten den ganzen Tag Live-Sendungen direkt vom Cruising. Den ganzen Tag dröhnten klassische Hits der 50er Jahre aus den unzähligen Autoradios, viele davon natürlich noch originale alte Röhrengeräte. 

Ford Mustang vor der noch originalen Vinsetta Garage

Foto © Bill Zinchuck

Die älteren Cruisingteilnehmer erzählten in den zahlreichen Interviews ihre Erlebnisse, die sie vor 40 oder 50 Jahren auf der Woodward Avenue hatten. Die unglaublichste Stories wurden da zum Besten gegeben! Alle Sender vergaben andauernd Preise für die schönsten, ältesten, originellsten und spektakulärsten Autos. 

Ford 1934

Ford 1934 "chopped and fenderless"

Foto © Bill Zinchuck

Die vielen Preise wurden von diversen Firmen zur Verfügung gestellt, die sich im Gegenzug dafür gute Radiowerbung erwarteten. Es ist ja kaum zu glauben, welchen ungeheueren Wirtschaftsfaktor dieses ungewöhnliche Treffen für die Region darstellt. Während der Dauer der Veranstaltung ergab sich ein zusätzlicher Umsatz für die ansässigen Betriebe von mehr als 55 Millionen Dollar pro Tag! 

Mercury Cabrio 1956

Foto © Bill Zinchuck

Leider werden nicht alle diese Tage in guter Erinnerung behalten. Während der frühen Morgenstunden am Samstag bog eine Autofahrerin von der Woodward Avenue in die Nine Mile Road ab. Leider nahm sie die Kurve etwas zu weitläufig und krachte in einen Porsche Targa der genau vor dem Polizeirevier geparkt war. Zu allem Unglück gehörte dieser ausgerechnet Mike Kitchen, dem Polizeichef von Ferndale. Man kann sich ganz leicht an einer Hand abzählen, wer den Cruising-Tag hinter Gittern verbrachte!

Mechaniker vergessen?

Foto © Bill Zinchuck



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