Zwei Mopars auf großer Fahrt        Bericht von Günther Kargl 


Alle zwei Jahre ist es an der Zeit, unsere gehätschelten Lieblinge über steile Bergstraßen und enge Pässe zu treiben, um zu erkunden, ob sie sich unserer Zuwendung als würdig erweisen. Nachdem 1997 der Weg nach Zuchwil führte, wo eines der größten eintägigen US-Automobiltreffen mit einer Teilnahme von etwa 2.000 Fahrzeugen stattfand, ging es im Jahr 1999 nach Heimiswil im Kanton Bern zu den Mopar Nats. Damals führte unser Weg nach Kärnten, durchs Kanaltal zum Lago Maggiore, dann nach Brescia, zum Comosee und an den Gardasee, sowie über den Gotthard Pass in die Schweiz und retour über Grimselpass, Sustenpass wieder durch Italien und über den Ossiachersee und den Wörthersee nach Zurücklegen von insgesamt etwa 3.000 Kilometern wieder nach Wien zurück.

So war es auch heuer wieder ein Ziel in der Schweiz, wo einfach die Vielfalt und die atemberaubende Qualität der Fahrzeuge unerreicht ist und jedes mal wieder die weite Anreise lohnt. In St. Margarethen im Kanton St. Gallen in der Schweiz fand ein sehr gut besuchtes Treffen statt und bei bestem Wetter versammelten sich 1.250 US-Cars auf dem Gelände eines Einkaufscenters, dem Rheinpark. 

Fotopause bei Schladming

Foto© Günther Kargl

Aber alles der Reihe nach: Am Mittwoch um 9:00 Uhr starteten die bewährten Teams mit Michi Stegmüller und Michi Ziegler auf dem blauen 71er Plymouth Duster und Ernst Sevcik und Günther Kargl im orangen 70er Plymouth Barracuda in Wien, von wo es bis Ybbs auf der A1 und anschließend über Scheibbs, Gaming, Grubberg (753 m), Radstatthöhe (637 m) durchs Gesäuse über Schladming und Wagrainer Höhe (933 m) bis Bad Hofgastein ging. Dort legte man sich nach exakt 384 zurückgelegten Kilometern und einem Grillabend mit einem weiteren Mopar-Freak (Cornel Windischbauer mit seinem 1957er Hemi Dodge Custom Royal) zur wohlverdienten Ruhe. 

Pause bei einem Diner in Ybbs

Foto© Günther Kargl

 

Nach sintflutartigem Regen während der ganzen Nacht besserte sich das Wetter soweit, dass die Glockner-Etappe nicht gefährdet war und so wagten wir bei wechselhaftem Wetter den Aufstieg auf 2.576 m. Der Nebel nahm jedoch immer mehr zu und am höchsten Punkt, der Edelweißspitze war es bitterkalt und sehr nass - natürlich haben wir auch Schnee gesehen! Wer schon einmal den Glockner bezwungen hat, wird wissen, welche Anforderungen hier an das Fahrzeug gestellt werden. Das dachten sich auch die Ingenieure von Daimler Benz, denn auf der Edelweißspitze wurden bei zwei sogenannten Erlkönigen (neue Testmodelle) die Bremsen und das Startverhalten in der dünnen Luft getestet. Hoffentlich schauen die sich etwas von unseren Autos ab, denn ohne Probleme konnten wir uns eine Pause in Heiligenblut, der Kärntner Seite diese Bergmassivs gönnen. 

 

Die Großglockner Etappe

Foto© Günther Kargl

 

Von hier aus ging es weiter üner den Iselsberg ( 1.204 m) bis Lienz, dann weiter nach Südtirol, nach Bruneck und in Sterzing schließlich feierten wir nach 307 Kilometern bei Wein und Pizza den erfolgreichen Tag. Natürlich schüttete es auch dort wieder in Strömen. Nach einer Nacht in der Pension einer italienischen Schönheit (leider jeder in seinem eigenen Bett) schnell noch die letzten Lire mit gutem Super (Blei) vertankt und weiter, dem Regen davon. Brenner (1.374 m), Innsbruck und Imst ließen uns noch frieren, doch im Paznauntal, sowie in Ischgl und Galtür zeigte der Wettergott ein Einsehen und nach Bezwingung der Silvretta Hochalpenstraße (2.032 m) schien sogar etwas Sonne auf unsere verschmutzten Gefährte.

 

Europabrücke beim Brenner

Foto© Günther Kargl

 

Als wir schließlich abends in Dornbirn ankamen, lud uns herrlichster Sonnenschein zur Weiterfahrt nach Bregenz ein, wo wir die traumhafte Kulisse der Seefestspiele genossen und im Schatten von La Bohéme mit einem üppigen Grillteller den Abend ausklingen ließen. Nachdem wir inzwischen schon über 1.000 Kilometer gefahren waren, nützten wir den Samstag für eine ordentliche Autopflege und ruhten uns im Seebad Bregenz für das Treffen aus.

Duster vor Heizlüfterarchitektur bei Dornbirn

Foto© Günther Kargl


Sonntag, herrliches Wetter, Autos auf Hochglanz gebracht, nichts wie die Reisepässe heraus und auf in die Schweiz zum Treffen wo nur eine perfekte Organisation das Chaos verhindern konnte. Stundenlang strömten US Cars aller Kategorien auf's Gelände. Der Zustand von 95 Prozent der teilnehmenden Fahrzeuge kennt nur ein Wort: Spitzenklasse!!!! 

 

Ford Fairlane Station

Foto© Günther Kargl

 

Autos, die man bei uns nur aus Berichten oder Büchern kennt rollen in Traumzustand vorbei. Hier gilt es nur draufhalten mit Fotoapparat und Kamera, denn die Schweizer bleiben nur ein oder zwei Stunden, dann fahren sie wieder. Dafür kommen allerdings immer neue Autos herein, unglaublich! 

Ford Torino

Foto© Günther Kargl

 

Die Organisatoren freuten sich sehr, als sie von unserer Tour erfuhren und für diese Anreise verliehen sie uns den Long Distance Award. Auch wurden unsere Mopars vom fachkundigen Publikum sehr goutiert, was uns mit großem Stolz erfüllte. 

 

Die beiden Michis mit dem Long Distance Award

Foto© Günther Kargl

 

Diesen anstrengenden aber sehr erfreulichen Tag beendeten wir dann auf dem Hausberg von Dornbirn, dem Karren, wo wir bei schwindelerregender Aussicht auf der Panoramaterrasse das Erlebte noch einmal zusammenfassten.

Bei maximaler Affenhitze ging es Montag früh durchs Montafon wieder auf die Silvretta, wo wir bei Kaiserwetter den Blick rund um den Stausee genießen konnten, dann weiter über Galtür, Ischgl (sieht alles bei Schönwetter ganz anders aus), Imst, noch weiter rauf über den Fernpass, wo wir an einem herrlichen Bergsee eine schöpferische Pause einlegten, selbstverständlich nicht ohne Fotoshooting. 

 

Silvretta Hochalpenstraße

Foto© Günther Kargl

 

Danach ging's rüber nach Garmisch-Partenkirchen, bereits in Deutschland, wo wir auf einen Kaffee gingen, den ich im guten Glauben mit abgelaufenen D-Markscheinen bezahlen wollte. Die amüsierte Kellnerin klärte mich auf, dass diese Scheine schon seit Jahren nicht mehr gelten. Tja, da war ich scheinbar schon längere Zeit nicht mehr in Deutschland! Egal, die dort stationierten US Soldaten erfreuten sich an unseren Plymouths und das machte den Ärger mehr als wett. Die letzten der 286 zurückgelegten Kilometer dieses Tages führten uns nach Bad Tölz, wo wir vergeblich den Bullen suchten, aber wir wollten auch nicht unbedingt einen Mord begehen, um seiner Ansichtig zu werden. 

 

Mopars am Fernpass - ohne Ermüdungserscheinungen

Foto© Günther Kargl

 

Mit einem kräftigen Frühstück am nächsten Morgen wollten wir uns für die letzte Etappe stärken, die uns über knapp 500 Kilometer nach Salzburg, Fuschlsee, Wolfgangsee, Bad Ischl,  über Traunsee und Gmunden wieder nach Wien führte. Leider war aber die Frühstücks-Wurst verdorben (nicht bestätigten Gerüchten zufolge waren es die Grünen nach Ansicht unserer Autos) und so war die Heimfahrt im wahrsten Sinne des Wortes gezeichnet vom Frühstück, und es wurden sehr viele Pausen notwendig. Doch im Großen und Ganzen überwogen natürlich die schönen Eindrücke, die wir auf den knapp 2.000 Kilometern sammeln konnten. Die Autos liefen ohne Macken, auf 2.500 m Höhe, bei stundenlangen Regenfahrten, bei 40 Grad im Stau und bei 4 undichten Besatzungsmitgliedern auf dem Heimweg. Herrliche Fotos ließen sich auf diesen Strecken nicht vermeiden, auch 3 Stunden Videomaterial wurde verarbeitet und zeugt von einem wunderbaren Erlebnis, das man nur haben kann wenn man abseits der Autobahnen unterwegs ist und wenn der Oldtimer originalgetreu restauriert wurde. Denn dann funktioniert alles wie es gehört und vor allem und das ist sehr wichtig, wenn eine gute Strecke vorher genau geplant wurde, wo man mit 50 km/h Tagesschnitt rechnen kann, denn da sind Fotopausen, Tanken und Essen inkludiert. Hier konnte sich einmal mehr die Duster-Mannschaft bewähren, die einen guten Fährtenhund abgab. Die weiteren Anekdoten und Bonmots würden den Rahmen hier sprengen, es ist nicht zu glauben, was man in einer Woche erleben kann: Die Begeisterung fremder Leute über unsere Autos, vor allem in Italien, war bewundernswert. 

 

Barracuda rastet im malerischen Gesäuse

Foto© Günther Kargl

 

Oder zum Beispiel im Gesäuse, wo im Umkreis von 40 Kilometern keine Tankstelle zu finden war und wir in ein verlassenes Dorf in einem abgelegenen Tal kamen. Als wir mit dem letzten Tropfen Treibstoff durch Steinschluchten und über alte, knarrende Holzbrücken endlich mitten am Dorfplatz eine kleine Zapfsäule entdeckten, die uns mit der Aufschrift Super anlachte, waren wir doch etwas erleichtert! Zum bezahlen ging's in den angeschlossenen Greisslerladen.
Die wenigen Fotos, die in diesem Rahmen gezeigt werden können sind nur ein kleiner Einblick und die Auswahl aus der Vielzahl der übrigen Schnappschüsse fiel sehr schwer. Fest steht jedenfalls eines, dass diese nicht die letzte Tour war und das nächste Ziel sowieso wieder klar ist: Die Schweiz.


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