Detroit Motor Show 2003


Ein ganz besonderer Höhepunkt des Amerikanischen Autojahres findet bereits unmittelbar zu dessen Beginn statt. Alljährlich trifft "man" sich bei der Automobilausstellung der Superlative, der "North American International Auto Show" in Detroit, der Heimstätte der Amerikanischen Automobilindustrie. Alle wichtigen und weniger wichtigen Hersteller aus aller Welt zeigen ihre neuesten Modelle und lassen durch die Vorstellung ihrer Prototypen und Concept Cars auch einen Blick in die Automobile Zukunft zu.

 

 

Die Bosse der großen Autokonzerne bei der Eröffnung

Foto © Ford Motor Company

Die Japanischen Hersteller stellten  neben den neuesten Serien-Modellen einige pfiffige Prototypen vor in denen viele neue Ideen der Designer und Entwicklungsingenieure verwirklicht wurden. Auch die großen Deutschen Autokonzerne zeigten die neuesten Kreationen. Besonders auffällig ist der verstärkte Trend zu luxuriöser Innenausstattung, die im neuen Maybach seinen Höhepunkt fand. Allergrößtes Interesse fand auch die erstmalige Vorstellung des neuen Rolls Royce Phantom, der ebenfalls traditionsbewusst mit besonders reichhaltiger und extrem edler Ausstattung bestach. Absichtlich wurde bei der Gestaltung der schlichten aber sehr eleganten Karosserie keinem Modetrend gefolgt.

 

Rolls Royce Phantom

Foto © Rolls Royce Motorcars Limited

Heuer zeichnete sich ein Trend, der bereits voriges Jahr zu bemerken war, noch wesentlich deutlicher ab, besonders bei den Amerikanischen Autos. Die PS-Aufrüstung ging in eine neue Runde und das so genannte Retro-Styling, welches ein populäres Modell einer Marke zum Vorbild nimmt und es in die heutige Zeit herüberprojiziert. Letzteres begann ja vor Jahren mit der Neuauflage des klassischen Ford Thunderbird und des Chevrolet Bel Air und fand im heurigen Jahr seinen Höhepunkt mit der Vorstellung des besonders gut geglückten Ford Mustang Concept Cars.

 

Ford Mustang im Retro-Styling

Foto © Ford Motor Company

Dieses ungeheuer attraktive Auto lässt auf eine große Zukunft dieses 1964 erstmals erschienen Klassikers hoffen. Obwohl die beiden gezeigten Varianten Cabriolet und Coupe noch Prototypenstatus hatten, gilt es als sicher, dass sie tatsächlich in Produktion gehen werden. Nicht nur im sportlichen Fahrzeugsegment will Ford punkten, auch auf dem Limousinensektor geht man scheinbar den Weg der Leistungsaufrüstung. So stellte man eine Studie vor, dessen Namen auch auf eine große Vergangenheit erinnert. Es handelt sich dabei um den Ford 427, einer futuristisch anmutenden Limousine mit einem neu entwickelten V-10 Motor mit einer Leistung von 560 PS aus einem Hubraum von 427 Cubic Inches, genau wie in den guten alten Tagen der großen legendären V-8s der Muscle Car Ära!
 

 

Powerlimousine: Ford 427

Foto © Ford Motor Company

Einen ganz neuen Weg beschreitet die Ford Motor Company mit dem Lincoln Navicross, der eine Kreuzung aus Limousine, Sportwagen und Geländewagen darstellt. Diese Studie treibt mit der Kraft seines V-8 Kompressormotors alle vier Räder an. An der Reaktion des Publikums möchte man ablesen ob es für ein derartiges Auto einen Markt geben könnte.

 

 

Lincoln Navicross

Foto © Ford Motor Company

Auch von der Mercury Division bekam man dieses Jahr aus dem Hause Ford wieder Neues zu sehen. Hier glänzte der Prototyp des Mercury Messenger und begeisterte mit seiner sportlichen Eleganz sowohl die Fachpresse als auch das Publikum. Ein zweisitziges Sportcoupe mit V-12-Maschine und 460 PS soll mit seiner einzigartigen Architektur den Weg zeigen, den Mercury in der Zukunft einschlagen möchte. Die Vorgaben, die die Entwicklungsingenieure vom Vorstand des Ford Konzerns erhalten hatten, wurden bei diesem Traumwagen zur Gänze erfüllt, als es galt ein Sportfahrzeug zu bauen, welches das Publikumsinteresse wieder vermehrt auf die Marke Mercury lenken soll.

 

 

Mercury Messenger

Foto © Ford Motor Company

Bei General Motors riskierten die Entwickler ebenfalls einen Blick in die Vergangenheit Die Neuauflage des potenten Pontiac GTO mit 5,7-Liter-V8 und 340 PS soll wieder mit Hinterradantrieb ins Rennen um Marktanteile gehen. Dieses sehr sportliche Modell basiert auf dem Australischen Holden Monaro und wird in 2004 in Serie gehen. Die Motorisierung mit einem 5,7 Liter LS-1 V-8 wird aus der Corvette stammen. Eine Produktion von 18.000 Pontiac GTOs pro Jahr im Australischen Holden Werk ist vorgesehen.
 

Pontiac GTO

Foto © General Motors

Eine sehr interessante Lösung stellt auch der Pontiac G6 dar. Hier hat man es mit einer bulligen viersitzigen Sportlimousine mit sehr kurzen Karosserie-Überhängen zu tun, deren Äußeres sehr ansprechend ist und ebenfalls auch das jüngere Publikum ansprechen könnte. Der 3,5 Liter Kompressormotor leistet 285 PS und ist mit einem Automaticgetriebe ausgestattet, welches auf Wunsch mittels einer Schaltwippe vom Lenkrad aus zu schalten ist.

 

Pontiac G 6

Foto © General Motors

Für die familienorientierten Kunden hat Buick ein Fahrzeug entwickelt, das neben Funktionalität auch nicht mit optischen Reizen geizt. Mit dem Buick Centieme will man gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen. In diesem besonders geräumigen Wagen sind die sechs Sitze in drei Sitzreihen, die hintereinander liegen, gruppiert. Ein 3,6 Liter Twinturbo-V-6-Motor, der bis zu 400 PS an Leistung entwickeln soll, sorgt hier für rasanten Vortrieb und damit für jede Menge Fahrvergnügen!

 

Buick Centieme

Foto © General Motors

Ebenfalls auf der sportlichen Welle schwimmt die an die Tradition der früheren „Muscle Cars“ von Chevrolet anknüpfende Studie eines neuen Chevrolet SS. Das Super Sport Emblem verdient sich der Prototyp nicht nur durch sein Design mit seinen ausgeprägten Rundungen sondern auch durch seinen 6,0 Liter V8 aus Leichtmetall, der gut für 430 PS und 595 Nm Drehmoment ist. Besonders auffällig sind die Felgen des SS, mit vorne 21 Zoll und hinten gar 22 Zoll Durchmesser!

 

Chevrolet SS

Foto © General Motors

Schon seit fast fünfzig Jahren sind die Pickups von Chevrolet aus dem Straßenbild Amerikas nicht mehr wegzudenken. Der Weiterentwicklung dieser Fahrzeuggattung trägt General Motors mit der Studie des Chevrolet Cheyenne Rechnung. Der Prototyp besitzt als Novum ein Chassis aus extrudierten Strangprofilen aus Aluminium und eine unabhängige Radaufhängung sowohl vorne als auch hinten. Letztere ist nicht nur der Straßenlage förderlich, denn als angenehmer Nebeneffekt konnte dadurch die Ladefläche ziemlich abgesenkt werden um die Beladung zu erleichtern. Auch in diesem Fahrzeug, welches auf 22 Zoll Felgen daherrollt, befindet sich ein Vortec-Leichtmetall-V8, der dank Aufladung satte 500 PS entfaltet!

 

Chevrolet Cheyenne

Foto © General Motors

Den Vogel abgeschossen hat General Motors aber zweifellos mir dem Cadillac V Sixteen, einer besonders eleganten Studie, dessen Motorisierung noch außergewöhnlicher ist als die hochtechnisierte und luxuriöse Ausstattung, die bis zum handgewebten Seidenteppichboden alles bietet: Auf genau 1.000 PS bringt es dieses Spitzenprodukt der Automobiltechnik! Wie man sich wohl vorstellen kann, fehlt es dem 13,6 Liter V-16-Motor kaum an Drehmoment. Sollte diese vorerst nur als Studie gedachte Modell je in Serie gehen, würde es in Preisregionen vorstoßen, die bisher nur Rolls Royce oder Maybach vorbehalten waren: Laut GM-Chef Bob Lutz wäre mit einem Kaufpreis von mindestens 250.000.- US-Dollar zu rechnen.

 

Cadillac V Sixteen mit 1.000 PS

Foto © General Motors

Besonders beeindruckend ist die beinahe serienreife Designtudie Dodge Magnum SRT-8 von Daimler-Chrysler. Als erstes komplett unter dem deutschen Chrysler-Chef Dieter Zetsche entwickeltes Auto läutet der Magnum die Renaissance der großen Kombis ein. Für besonders üppige Leistungsentfaltung sorgt hier ein neuer 5,7-Liter-Hemi-V8-Motor, der mit Kompressor 430 PS leistet. Man hat bei diesem Fahrzeug den Schwächen des Vorderradantriebes beim Einsatz mit extrem hoher Motorleistung Rechnung getragen und ist wieder zum Hinterradantrieb zurückgekehrt.

 

Dieter Zetsche stellt den Dodge SRT-8 vor

Foto © Daimler-Chrysler

Auf Allradantrieb setzt Chrysler bei anderen Modellen: So waren die neuen Dodge Durango-Modelle zu sehen, die besonders die Freunde der Geländefahrzeuge begeisterten. Noch größeres Interesse erweckte Daimler-Chrysler mit dem ebenfalls Allradgetriebenen Dodge Avenger und dem Dodge Kahuna, der mit seinem besonders eigenwilligen Styling die Blicke der Besucher auf sich lenkte. Dieses viertürige Funfahrzeug wird von einem 2,4 Liter Turbomotor mit sechs Zylindern und 215 PS angetrieben und wird sicherlich durch seine praktische familienfreundliche Konzeption auch junges Publikum ansprechen.

 

Dodge Kahuna

Foto © Daimler-Chrysler

Eines der aufsehenerregendsten Kreationen bot der Chrysler Stand: Neben unzähligen spektakulären Vehikeln stellt vor allem dieses Motorrad alles in den Schatten. Die Chrysler Tomahawk: Die Ein-Mann-Rakete besitzt eine 8.3 Liter-Maschine mit 500 PS und fährt auf vier Rädern. Der V-10 Motor stammt aus der Dodge Viper. Die Tomahawk soll damit eine Höchstgeschwindigekeit von bis zu sagenhaften 640 km/h erreichen. Auf öffentlichen Straßen wird sie in dieser Form vermutlich kaum zu sehen sein. Trotzdem ist es interessant was dabei herauskommt wenn die Entwicklungsabteilung eines Großkonzerns endlich einmal ohne jegliche Begrenzung aus dem Vollen schöpfen darf!

 

Dodge Tomahawk

Foto © Daimler-Chrysler



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