Die "North American International Auto Show" 2002 in Detroit


Die diesjährige „North American International Auto Show“ in Detroit bot einmal mehr ein Spektakel der Superlative. Vierzig Automobilhersteller stellten mehr als 700 zum Teil höchst interessante Fahrzeuge, darunter jede Menge so genannter Concept Cars aus. Concept Cars sind nichts anderes als Design- und Technikstudien mittels welcher nicht nur die Entwicklungsrichtung der Automobilkonzerne dokumentiert werden soll, sondern sie dienen auch dazu die Reaktion des Publikums zu testen.

Buick Y-Job

Foto© General Motors

Die Idee dieser Concept Cars ist keineswegs neu. Als erstes echtes Concept Car gilt eigentlich Harley Earls traumhafteste Schöpfung, der so genannte Y-Job, der im Auftrag Buicks 1938 entstand.. Der unheimliche Marketing-Erfolg, den dieser außergewöhnliche Prototyp einbrachte ließ den GM-Konzern weitere Traumautos für Ausstellungszwecke bauen. Das Konzept war so populär, dass GM, beginnend 1949, während der gesamten Fünfzigerjahre eine eigene Wanderausstellung, die so genannte „Motorama“ unterhielt. Diese Wanderausstellung tourte durch alle größeren Städte Amerikas und zeigte dem verdutzten Publikum die traumhaftesten Kreationen, die man sich vorstellen konnte.

Buick Le Sabre Concept Car 1951

Foto© General Motors

Leider waren diese Autos nicht zu kaufen, doch sie beeinflussten doch sehr die Modellentwicklung. Sehr oft nahmen diese Autos bereits die grundlegende Designkonzeption der folgenden Jahre vorweg. Natürlich mussten die anderen Autokonzerne die Herausforderung annehmen und bauten ebenso faszinierende zum Teil fahrbare, zum Teil aber auch nur als techniklose Standmodelle ausgeführte Fantasiefahrzeuge. Da der Kreativität damals kaum Grenzen gesetzt wurden gab es die atemberaubendsten Schöpfungen. Einige dieser automobilen Träume gingen sogar fast unverändert in Serie. Denken wir nur an die unvergleichliche Corvette-Studie von Bill Mitchell und Larry Shinoda, die 1963 in Produktion ging!

Chevrolet Corvette 1963

Diese Tradition der Fertigung von ausgefallen Design-Versuchen der Automobilhersteller für Marketingzwecke ist bis heute erhalten geblieben. Die Ausstellung dieser „Kinderträume für Erwachsene“ ist nach wie vor eines der wesentlichsten Höhepunkte jeder der großen Automobilshows, sei es nun in Genf, Berlin, Tokio oder Detroit.

Feierliche Eröffnung der Detroit Auto Show 2002

Foto© General Motors

Für das Jahr 2002 haben sich alle Hersteller etwas einfallen lassen. Viele der  Prototypen wurden bis zum Eröffnungstag der „North American International Auto Show 2002“ in Detroit streng geheim gehalten und erst während der Show feierlich enthüllt. Von der Presse wurden diese neuen richtungsweisenden Designstudien natürlich sehnsüchtig erwartet. Die Leserschaft brannte ja schließlich schon darauf in den Automagazinen einen Blick in die Zukunft riskieren zu können, was die Verkaufszahlen dieser Fachmagazine alljährlich in die Höhe treibt.

DaimlerChrysler Stand

Der General Motors Konzern hatte für fast jede seiner Marken etwas sehenswertes aufgeboten. Bob Lutz, neuer Vorsitzender von General Motors Nordamerika, fuhr mit dem neuen Pontiac Solstice auf die Bühne und wurde von den anwesenden Journalisten mir frenetischem Beifall begrüßt. Der Solstice wurde in nur vier Monaten von der GM-Entwicklungsabteilung auf die Räder gestellt! Dieses Auto soll in Serienproduktion gehen und man geht von einem künftigen Verkaufspreis von etwa 30.000.- Euro aus.

 

Bob Lutz mit Pontiac Solstice

Foto© General Motors

 

Interieur des Solstice

Foto© General Motors

Bei Chevrolet galt es der Bel Air zu bestaunen, der den derzeit im Trend liegenden Retrolook vertritt, bei welchem starke Anleihen bei den Chevy-Modellen der Fifties genommen wurden. So gibt es unter Anderem wieder die Gangwahl am Lenkrad, eine durchgehende Fronsitzbank und ein simples Anzeigeinstrument am Armaturenbrett. Selbst auf den Tankverschluss in der Heckleuchte wurde nicht verzichtet! Der Antrieb ist jedoch mehr als ungewohnt. Bei diesem Auto versieht ein Fünfzylinder-Reihenmotor mit 3,5 Litern Hubraum und 315 PS seinen Dienst unter der Haube.

 

Chevrolet Bel Air

Foto© General Motors

 

Klassisches Interieur des Bel Air

Foto© General Motors

Der eindeutige Star am Stand von Cadillac war der neue Supersportwagen Cadillac Cien, der fast alles Andere überstrahlte. Jeder der dieses Auto zum ersten Mal zu Gesicht bekommt glaubt den Cadillac Designern auf’s Wort wenn sie behaupten, dass der F22 Stealth Kampfjet das Karosseriedesign dieser Rakete auf Rädern inspiriert hätte. Rakete ist in diesem Falle wohl angebracht, hat das flache Targa-Coupe doch einen 7,5 Liter Zwölfzylindermotor mit der stattlichen Leistung von 750 PS! Übrigens ein Leckerbissen für die Österreichische Kraftfahrzeugsteuerbemessung!

 

Cadillac Cien

Foto© General Motors

 

Interieur des Cien

Foto© General Motors

Dieser Wagen besticht jedoch nicht nur von der Leistung her. Auch die übrige Technik ist nicht minder bemerkenswert: Zwischen den 19-Zoll-Vorder- und den 21-Zoll-Hinterrädern ist eine Fahrgastzelle eingebettet, die mit modernster Technologie ausgestattet ist: Night Vision, OnStar, StabiliTrak, Ultrasonic, hintere Einparkhilfe und Communiport heißen die elektronischen Helfer. Der Communiport sorgt für freie Hände bei der Aktivierung der Audio-, Bordcomputer-, Navigations- und der drahtlosen Kommunikationssysteme.  

General Motors glänzte jedoch nicht nur mit Herkömmlichem. So präsentierte man mit dem GM Autonomy, ein völlig neues Fahrzeugkonzept. Man entwickelte ein gänzlich unkonventionelles Fahrzeug sozusagen um eine Brennstoffzelle herum. Der Wasserstoffantrieb ist ja nichts Ungewöhnliches mehr. Einige führende Autohersteller experimentieren schon seit mehreren Jahren damit. Man ging hier einen eigenen sehr innovativen Weg. Das Fahrgestell verfügt über keine herkömmliche Mechanik mehr. "Drive by Wire" nennt sich dieses System: Lenkung, Bremsen und etliche weitere Funktionen des Fahrgestells übernimmt die Elektronik! 

 

Rick Wagoner präsentiert den GM Autonomy

Foto© General Motors

 

Heckansicht des Autonomy

Foto© General Motors

Konstruktives Herzstück des Autonomy ist ein neues Fahrgestell, auf dem alle wesentlichen Elemente, übersichtlich angeordnet sind. Das so genannte Skateboard-Chassis soll sowohl Herstellung als auch Wartung vereinfachen. Mit dieser Plattform ist es möglich in sehr kurzer Entwicklungszeit eine vielfältige Palette von unterschiedlichen Modellen bauen zu können. Im Baukastensystem lassen sich verschiedene Karosserien mit einem Chassis, das zudem nur 15 Zentimeter hoch ist, verbinden.

 

Autonomy-Prinzip: Karosserie aufgesetzt

Grafik© General Motors

 

Karosserie abgehoben

Grafik© General Motors

Beim DaimlerChrysler-Konzern war man auch nicht gerade untätig. Auch hier beeindruckte man mit Designstudien, von denen tatsächlich einige in Serie gehen sollen. Der Chrysler Crossfire beispielsweise, der mit seinem Design an die Sportwagen der Fünfzigerjahre erinnern soll, ist ein solches Auto. Ein 3,2 Liter V6-Motor mit 215 PS mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder Fünfgang-Automatic aus dem Mercedes SLK sorgt hier für Vortrieb. Dieser Wagen wird für den Europäischen Raum sogar bei Karmann in Osnabrück gebaut werden und kann ab Ende 2003 auch in Österreich geordert werden.

 

Chrysler Crossfire

Foto© DaimlerChrysler

 

Interieur des Crossfire

Foto© DaimlerChrysler

Der Crossfire war aber nicht das einzige Sportcoupe, welches DaimlerChrysler in die Schlacht warf. Auch der Razor machte seinem scharfen Namen alle Ehre. Die Chrysler Group Design-Studios ließen sichbei dieser Studie ebenfalls von den klassischen europäischen Sportwagen der Vergangenheitinspirieren. Sie brachten außerdem eine minimalistische Design-Philosophie in das Projekt ein. DerDodge Razor soll auf der starken Wirkung von einfachen und reinen Werten basieren, was sich auch im Innenraumdesign fortsetzt..

 

Dodge Razor

Foto© DaimlerChrysler

Interieur des Razor

Foto© DaimlerChrysler

Ebenfalls auf der Retrowelle schwimmt der Dodge Super 8 Hemi, der mit Panoramascheibe, Edelstahlapplikationen, einem 353 PS starken Stoßstangen-Hemi V-8 Motor daherkommt und  über ein modernes Fahrwerk mit Einzelradaufhängung verfügt. Freeman Thomas persönlich stellte diese Schöpfung seines Design-Teams vor. "Der Dodge Super Hemi verkörpert Kultur und Wesen des typisch amerikanischen Optimismus", so Freeman Thomas.

 

Freeman Thomas mit Dodge Super 8 Hemi

Foto© DaimlerChrysler

 

Dodge M 80

Foto© DaimlerChrysler

Neben dem Dodge M 80, einem bulligen Pickup wurde ein weiteres Monster aus der Dodge Ram-Serie erstmals vorgestellt. Es ist dies der Dodge Ram SRT-10, ein Pickup, der kaum Vergleiche zu scheuen braucht. Angetrieben vom 8,3 Liter V-8 mit 500 PS aus dem Dodge Viper hat das Fahrzeug kaum Probleme Beschleunigungswerte von etwas über fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Endgeschwindigkeit von etwa 240 km/h zu erreichen! Der Gigant rollt auf stattlichen 24 Zoll Felgen und 305er Reifen! DaimlerChrysler hat zwar schon die Produktion dieses Schwergewichts in Aussicht gestellt, sich jedoch nicht auf einen bestimmten Termin festgelegt. Auf großes Interesse bei der Allradgemeinde stieß der Prototyp Jeep Willys 2, der ebenfalls auf mächtigen Rädern thront.Mit seinem bewusst auf das Wesentliche konzentrierten Charakter und seiner Karosserie aus Verbundwerkstoffen ist das Konzeptauto Jeep Willys eine Hommage an die Jeep-Fahrzeuge der Vergangenheit, die gleichzeitig das Design und die Technologie des 21. Jahrhunderts betont

 

Enthüllung des Dodge Ram SRT-10

Foto© DaimlerChrysler

 

Jeep Willys 2

Foto© DaimlerChrysler

Bei Ford gab es zwar keine solche Vielfalt an Designstudien wie bei manchen anderen Herstellern, dafür aber ein Fahrzeug, das das Herz jedes Autoliebhabers höher schlagen ließ. Es handelte sich hierbei um eine Neuinterpretation des legendären Siegerwagens von Le Mans, dem Ford GT 40. Äußerlich bis auf wenige Details ident mit dem klassischen Vorbild, welches 1963 von Henry Ford II in Auftrag gegeben wurde, findet sich unter der Haut modernste Leichtbau-Technik. Auch bei der übrigen Mechanik regiert High-Tech. So sorgt ein moderner 5,4 Liter V-8 mit Kompressoraufladung für stattliche Fahrleistungen, immerhin leistet er 500 PS! Dies reicht für eine Beschleunigung von 4,3 Sekunden auf 100 km/h uns eine Spitze von 300 km/h. Man spricht sogar von einer Serienproduktion dieses reinrassigen Sportwagens. Bei der Preisgestaltung ist man sich noch nicht einig, aber so zwischen 120.000.- und 130.000.- Euro darf man sich schon mal auf die Seite legen.

 

Star bei Ford: GT 40

Foto© Ford Motor Company

 

Interieur des GT 40

Foto© Ford Motor Company

Ebenfalls aus Leichtbau-Materialien besteht eine Studie der Lincoln Division. Es handelt sich hierbei um eine Luxuslimousine mit hinteren "Suicide Doors" wie man sie von den Lincolns der frühen Sechzigerjahre kennt. Hier griff man in die Ersatzteilkiste der Ford-Tochterfirma Aston Martin und borgte sich den bereits bewährten 6.0 Liter V-12-Motor, den man mit einem Sechsgang-Automaticgetriebe koppelte. Bei der Ausstattung der Nobelkarosse wurde übrigens nirgends gespart. Sämtliche mögliche und unmögliche Annehmlichkeiten sind hier zu finden.

 

Lincoln Continental Studie

Foto© Ford Motor Company

 

Interieur des Continental

Foto© Ford Motor Company

Selbstverständlich möchte man sich bei Ford auch ein großes Segment bei den Nutzfahrzeugen sichern. Man trug diesem Wunsch mit der Vorstellung des Ford Tonka Rechnung, einer wirklich brutal aussehenden Pickupstudie, die sowohl bei der Fachpresse als auch bei den übrigen Messebesuchern Bewunderung hervorrief. Tonka istübrigens der Markenname für robuste Spielzeugautos „Made in USA“. Seine Verwandtschaft zu Kinderspielzeug demonstriert der Tonka durch seine knallgelbe Lackierung, seine raue und kantige Formgebungund die nicht gerade sparsame Verwendung von Chromzierrat.

 

Ford F-350 Tonka

Foto© Ford Motor Company

 

Praktisches Interieur des Tonka

Foto© Ford Motor Company

 



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