Wer dachte nicht schon einmal darüber nach die Schönheit eines alten Klassikers mit der Perfektion, der Leistungsfähigkeit und dem Handling eine nagelneuen modernen Wagens zu paaren? Das Endprodukt wäre wäre wahrscheinlich der Traum von vielen Autoenthusiasten! Leider bleibt es bei dem Traum, denn ein derartiges Unterfangen wäre mit solch exorbitanten Kosten verbunden, dass jeder davor zurückschreckt. Nicht so Rich Lagasse aus Enfield, Connecticut, der mit Unterstützung seiner Frau Barbara und der Hilfe einiger der führenden Amerikanischen Hot Rod- und Tuning-Werkstätten solch einen Traum gleich zweimal in die Tat umsetzte.

Corvette Big-Block 1967

Als Ausgangsbasis für die erste Umsetzung seiner Idee diente ihm ein 1967er Small-Block Roadster, der sich in leidlichem Zustand befand und schon bessere Zeiten erlebt hatte. Das müde Auto wurde in seine sämtlichen Bestandteile zerlegt und die Arbeit an Motor, Fahrgestell und Karosserie begann simultan bei drei verschiedenen Firmen. Mit den verschiedenen Fachleuten, alle führend in ihrer Sparte, wurden gemeinsam unzählige Modifikationen an Karosserie und Antrieb geplant.

Chassis Corvette 1967

Modifiziertes Chassis der 1967er Corvette

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Natürlich machten die geplanten Modifikationen am Wagen auch vor dem Fahrgestell nicht halt! Es wurde von Rich selbst und Arthur Bonneau von "Bunjie's Hot Rod Shop" in Brimfield, Massachusetts natürlich auch an die angestrebte brutale Leistungssteigerung am Triebwerk angepasst. Ein neues Radaufhängungssystem von "Vette Brakes" sorgt nun für absolute Spurtreue in Verbindung mit speziellen Einblattfedern vorne und hinten sowie besonders starken Stabilisatoren. Wie auf dem Foto zu sehen ist wurde das gesamte Auto tiefer gelegt und mit American Racing Felgen der Torque Thrust II Serie in der Dimension 7 x 17 Zoll vorne, beziehungsweise 8 x 17 Zoll hinten, bestückt und mit BFGoodrich Reifen der Comp T/A Serie bezogen. Vorne fand die Dimension 205-50-17 und hinten 235-45-17 Verwendung. Alle Metallteile am Chassis, die nicht hochglanzpoliert wurden, wurden bearbeitet und anschließend mit einer hochglänzenden Zweischichtlackierung in Wagenfarbe oder tiefschwarz versehen. Über besonders hochwertige Kardan- und Antriebswellen gelangt die Kraft des Motors, die mittels eines Centerforce Zweischeiben- Kupplungssatzes mit hydraulischer Betätigung und einem Richmond Fünfganggetriebe übertragen wird, zur Hinterachse in der ein 3:36er Sperrdifferential sitzt und bereits bei leicht unbeherrschter Fahrweise beide Hinterräder in Rauch aufgehen lässt.

Corvette 1967 Motor

Perfekt bis ins Detail: Big-Block

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Als Motorisierung für dieses Meisterstück wählte Rich einen fabrikneuen Chevrolet 502er Big-Block V-8-Motor, der natürlich komplett zerlegt wurde und nach dem letzten Stand der Tuning-Technik ausgiebigst überarbeitet wurde. Selbstverständlich fanden geschmiedete JE Kolben, Rollenstößel und Aluminium-Zylinderköpfe Verwendung und der gesamte Kurbeltrieb wurde feingewuchtet. Auch die Ein- und Auslaßkanäle der Köpfe wurden angepasst und poliert. Ein 850er Holley-Vergaser sorgt dafür, dass die Treibstoffversorgung nicht zu knapp ausfällt. Neben Sanderson Fächerkrümmern und elektronischer MSD-Zündung fanden eine Vielzahl an weiteren Goodies ihren Weg in den Motorraum dieses wahrlich einzigartigen Fahrzeuges.

Corvette 1967

Der fertige Roadster

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Während man Motor und Chassis überarbeitete, war man auch an der Karosserie nicht untätig. Diese heikle Arbeit übernahm das "Corvette Center" in Newington, Connecticut. Man leistete ganze Arbeit und lackierte die Karosserie nach sorgfältigsten Vorarbeiten in vielen Schichten  hochglänzenden "RM Diamont" Speziallacks. Rich und Barbara Lagasse versahen das Interieur des wiedererstandenen Roadsters nach dem anschließenden Zusammenbau, bei dem fast ausschließlich Neuteile verwendet wurden, mit schwarzem Leder, das mit der knallroten Außenlackierung in einem faszinierenden Kontrast steht. Das Ergebnis ist sensationell aber noch unglaublicher ist die Tatsache, dass all diese umfangreichen Arbeiten vom Beginn der Restaurierung bis zum schlüsselfertigen Traumauto nur sieben Monate vergingen!

Der 67er Roadster neben der neuen C5

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Der Wagen hat seit seiner Fertigstellung im Mai 1999 an 11 Veranstaltungen teilgenommen und errang dabei 23 mal Preise in diversen Klassen! Auch in den führenden Amerikanischen Corvette-Magazinen wie "Corvette Fever" oder "Vette Magazine" war über das Auto enthusiastisch berichtet worden. Nun könnte man denken nach solch einem Erfolg wäre Ausruhen auf den vielen Lorbeeren angesagt. Nicht so bei den Lagasse's! Man stellte sich einer neuen, noch wesentlich größeren Aufgabe: Wie wäre es denn, wenn man eine noch ältere Corvette mit der kompletten Technik der aller neuesten und stärksten Corvette, der Z06, ausrüsten würde? "Unmöglich!", wäre sicher der erste Gedanke. Aber Rich Lagasse ließ sich nicht von seiner Idee abbringen und schritt zur Tat:

Corvette 1962

Als erstes musste eine Basis für dieses wahnwitzige Vorhaben gefunden werden. Diese fand sich in Form einer 1962er Corvette, die schon viele Jahre zuvor ihren originalen Motor eingebüßt hatte und irgendwann in Ihrer wechselhaften Geschichte sogar als Dragrace-Auto herhalten musste. Da aber die Karosserie in gutem Zustand war, entschlossen sich Rich und Barbara Lagasse gerade dieses Auto zu verwenden. 

Corvette 1962

Die Zerlegung der 1962er Corvette beginnt

Foto© Rich und Barabara Lagasse

Nach der Abnahme der Karosserie und der kompletten Zerlegung des Autos durch Arthur Bonneau von "Bunjie's Hot Rod Shop" wurde das Fahrgestell zum Spezialisten Paul Newman in dessen Firma "Car Creations" nach Templeton, Californien gebracht. Die Aufgabe Newmans war es den Rahmen so umzubauen, dass die Radaufhängungen und auch das Antriebsaggregat der neuesten Corvette Aufnahme finden konnten. 

Der Rahmen vor dem Umbau

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Wer den Aufbau der beiden Corvette-Generationen kennt weiß welche Herausforderungen da auf Newman, der sich in der Szene schon einen Namen mit der Umsetzung unmöglich scheinender Projekte gemacht hatte, zukamen. Viele Berichte in einschlägigen Magazinen geben Zeugnis von diesen Kunstwerken. Er stellte auch beim Lagasse-Projekt seine Fähigkeiten unter Beweis. Neben den vielen Anpassungen wurde das gesamte Fahrgestell verstärkt und an die noch weiter gesteigerte Leistung des Z06 Einspritzmotors, der ja schon in serienmäßigen Originalzustand immerhin über mehr als 360 PS verfügt, angepasst. Natürlich fanden auch die Bremsen der neuesten Z06 Verwendung, denn diese Leistung sollte ja auch problemlos unter Kontrolle gebracht werden können. Die Räder in der Dimension 8.5 x 17 stammen von der Z06, wurden hochglanzpoliert und mit Michelin Pilot Sports der Dimension 255-45-17 bezogen. Alle Aufhängungskomponenten, die nicht hochglanzpoliert oder verchromt wurden, hatte man bearbeitet, geschliffen und anschließend keramikbeschichtet. 

Chassis Corvette 1962

Das fertiggestellte Chassis bereits bestückt

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Während das Chassis neue Formen annahm war man im Corvette Center in Newington, Connecticut wieder mit der Instandsetzung der Karosserie beschäftigt. Das Getriebetunnel musste verändert und an das neue Sechsgang-Schaltgetriebe angepasst werden. Ein Kotflügel musste erneuert werden und der gesamte Karosseriekörper wurde sorgfältig gestrahlt und bearbeitet bis kein Fehler mehr zu entdecken war. Dann erst schritt man zur Lackierung, die wieder in mehreren Schichten erfolgte, abschließend geschliffen und zu einem tiefen, glasähnlichen makellosen Hochglanz poliert wurde.

Die Karosserie nach dem Lackieren

Foto© Rich & Barbara Lagasse

In der Zeit in der sich unzählige Spezialisten um die einzelnen Komponenten des zukünftigen Showfahrzeuges kümmerten, war auch Rich Lagasse nicht untätig. Er sorgte zum Beispiel durch tagelanges Schleifen und Polieren dafür, dass die eigens angefertigte Edelstahl-Auspuffanlage in spiegelndem Hochglanz erstrahlte. Auch vielen anderen Teilen, besonders denen aus dem Motorraum wie Klimakompressor, Lichtmaschine, Starter, Rohrleitungen und diverse Umlenkrollen ließ er die gleiche Behandlung zuteil werden. Besonders beim Motor selbst gab sich Rich viel Mühe. Alle Kanäle des Ansaugtraktes wurden angepasst und poliert. Die Aufhängungen für Klimakompressor und Lichtmaschine sind Sonderanfertigungen, ebenso wie das Luftfiltersystem aus gefrästem und poliertem Aluminium, das ebenfalls von Rich entworfen wurde. 

Corvette 1962 Motorraum

Millimeterarbeit: Z06-Motor in der 62er

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Zur Krönung des Ganzen wurde für die Steuerung der Motorelektronik ein eigenes Computerprogramm entwickelt, welches auf die veränderten Parameter dieses besonderen Autos abgestimmt wurde. All diese mühevollen Detailarbeiten hatten sich aber mehr als gelohnt. Dies  wurde spätestens nach der Endmontage dieses außergewöhnlichen Wunderwerkes sichtbar. Als das Auto nach nur 11 Monaten Bauzeit gerade noch rechtzeitig zum großen "Corvettes at Carlisle" Event fertiggestellt werden konnte, waren auch die größten Zweifler überzeugt: Das große Projekt war tatsächlich gelungen! 

Corvette 1962

Der fertige Traum im Fun Field in Carlisle

Foto© Rich & Barbara Lagasse

Während der Car Show in Carlisle brachte das Auto den Lagasse's die Bewunderung von tausenden Corvetteliebhabern von denen kaum einer ein solches Projekt für möglich gehalten hätte. Besonders stolz waren Rich und Barbara über die Tatsache, dass Dave Hill, Chefingenieur bei General Motors und verantwortlich für die Entwicklung der Corvette, persönlich dieses Auto mehr als bewunderte. Er kam dreimal zurück um dieses unglaubliche Auto seinem Technikerstab zu zeigen!




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