Corvettes at Carlisle 


Corvettes at Carlisle, begann vor 18 Jahren mit einem Versuch auch für Corvette-Sammler und Enthusiasten einen ähnlichen alljährlichen Tauschmarkt zu initiieren, wie er bereits für die Liebhaber klassischer Autos seit vielen Jahren mit den "Swap Meets" für Oldtimer in Carlisle und Hershey, beides in Pennsylvania gelegen, existierte. Der Erfolg dieses ersten Versuches gab den Veranstaltern recht: Im Laufe der Jahre wurde das Treffen immer populärer, so dass man heute ohne weiteres davon sprechen kann, dass Corvettes at Carlisle sich zum größten Corvette-Treffen der Welt entwickelt hat. Es steht in direkter Konkurrenz mit dem nicht minder bekannten "Corvettes at Bloomington", das in den letzten Jahren durch Probleme mit Organisatoren und dem Wechsel des Veranstaltungsgeländes, etwas an Terrain verloren hat.

Corvettes bis zum Horizont

Corvettes bis zum Horizont

Das Großereignis, welches heuer zum achtzehnten Mal abgehalten wurde und das Corvette-Leute aus der ganzen Welt anzog, begann Freitag den 27. und dauerte bis Sonntag den 29. August 1999. Alle Verkaufsplätze auf dem gigantischen Marktgelände waren schon lange vorher restlos ausverkauft. Etwa 1.500 Corvettes aller Baujahre waren zur Show gemeldet, sei es nur um ausgestellt zu werden oder aber auch zum Verkauf angeboten zu werden. Zwölf verschiedene Corvette Clubs hatten ihre schönsten Autos aufgestellt. Es kamen mehr als 55.000 Corvette-Fans zu diesem Super-Event und am Samstag konnte man etwa 6.000 Corvettes auf dem angrenzenden Ausstellungsgelände bewundern.

Raritätenparade

Raritätenparade

In den zahlreichen Hallen gab es einige Sonderausstellungen, deren Highlight die Sammlung von Richard Cohen darstellte, die je eine Corvette der Baujahre 1963 bis 1967 mit der Option "N03" zeigte. Die Option "N03" bedeutet, dass das Fahrzeug vom Werk auf besondere Kundenbestellung für Wettbewerbseinsätze mit einem 120 Liter Treibstoff fassenden Kunststofftank ausgerüstet wurde. Natürlich ging dadurch jeglicher Kofferraum oder sonstiger Stauraum hinter den Sitzen verloren. Dadurch war diese Ausstattungsvariante für den Durchschnittskäufer uninteressant, deshalb wurden bis 1966 pro Jahr nur zwischen 38 und 66 Stück, je nach Modelljahr gebaut. Eine besondere Rarität stellt jedoch das Modelljahr 1967 dar, in welchem überhaupt nur zwei Stück erzeugt wurden. Richard Cohen besitzt eine der beiden, die andere 67er "Big Tank" befindet sich in Österreich im Besitz von Firma Automobile Riekmann. Dieses Fahrzeug wurde aufgrund seiner besonderen Rarität einer vier Jahre dauernden Restaurierung unterzogen und wurde in vollständigen Originalzustand versetzt. Das Auto steht zum Verkauf, ist verständlicherweise aber nicht billig.

Corvette N03 1967  

Superrarität: Eine von nur zwei gebauten "Big Tank" Corvettes 1967

Ein weiterer Höhepunkt war die Sonderausstellung von General Motors mit diversen Wettbewerbsfahrzeugen, den neuen Corvette-Modellen, einigen historischen Corvettes und einem sehr interessanten Schnittmodell des neuen Corvette LS 1 Alumotors.

Sogar eine Hochzeit zweier verliebter Corvette-Enthusiasten, Patty Helton und Ron Ames aus Ashtabula, Ohio wurde am Samstag vormittags auf dem Gelände abgehalten. Nachdem der Bürgermeister von Carlisle die Trauung inmitten der vielen Corvettes vollzogen hatte, wurde ordentlich gefeiert! Für diejenigen Corvettefahrer, die diesen Schritt bisher noch nicht gesetzt hatten war wohl ein anderer Wettbewerb gedacht - der "Beauty Contest" bei welchem die Miss, bzw. Mrs. Corvette gekürt wurde. Man fühlte sich kurzfristig zu "Baywatch" versetzt!  

Corvette Cabrio 2000

Das erste gebaute 2000er Corvette-Cabrio

Für ernsthafte Sammler, die richtig Geld ausgeben konnten und wollten, gab es wie auch in den Jahren zuvor an zwei Tagen eine Versteigerung des bekannten Auktionshauses "Bob Gold Auctions", die leider durch den unerwarteten Tod des Gründers und Inhabers Bob Gold nur einige Tage vor der Veranstaltung überschattet wurde. Nach einer kurzen Würdigung der Verdienste des Verstorbenen und einer sehr feierlichen Gedenkminute ging es los. Ein Traumauto nach dem anderen passierte den "Block". Einige darunter sorgten für ein reges Gefecht unter den Bietern, sehr zur Freude der Besitzer und des Auktionators. Für einige seltene Stücke gab es erstaunlich hohe Gebote, für manche allerdings hätte man sich mehr erwartet, einige erreichten das unterste Limit, das ihre Besitzer gesetzt hatten nicht.

Bob Gold Corvette Auktion

Bob Gold Corvette Auktion

Die Verkaufspreise für schöne originale Corvettes sind gegenüber den Vorjahren wieder sehr stark gestiegen. Dies zeigte sich nicht nur bei den diversen Auktionsergebnissen, sondern auch anhand der geforderten Verkaufspreise der unzähligen Privatverkäufer und Händler. In Verbindung mit dem für uns Europäer ungünstigen Dollarkurses, scheint es fast unmöglich zu sein ein gutes Auto in Sammlerqualität zu einem halbwegs akzeptablen Preis aus USA zu bekommen.

Die Freunde von Rennautos kamen auch auf ihre Rechnung. Mike Yager, Chef von Mid America Designs, hatte seine komplette Sammlung von "Corvette Challenge" Autos mitgebracht.

Corvette Challenge Collection

Corvette Challenge Collection

Denjenigen, die genau wissen wollten was ihre "Vette" so drauf hat, wurde auch geholfen: Man konnte sein Auto auf einem mobilen Leistungsprüfstand unter voller Power testen lassen. Da gab es viele überraschte, aber auch einige enttäuschte Gesichter, als die Stunde der Wahrheit anbrach. Die Computer des Dynamometers sind unbestechlich!

Corvette am Leistungsprüfstand

ZR-1 am mobilen Leistungsprüfstand

Einen besonderen Reiz für die vielen Besucher stellten natürlich die unzähligen Prominenten Personen aus der Corvette Szene dar, die ebenfalls als Ehrengäste teilnahmen. Da waren Noland Adams (Corvette Historiker), David C. Hill (Corvette Chefingenieur, GM), Gordon Killebrew (Corvette Spezialist, ehem. GM), Gary Mortimer (NCRS), Greg Nehrbass (Ingenieur Corvette Qualitätskontrolle, GM), Jim Prather (Redakteur Vette Vues), Garnet Rodgers (Corvette Club of America), Doug Rippie (Doug Rippie Motorsports), Bob Stevens (Cars &  Parts Magazine), Steve Stringfellow (Corvette Design Ingenieur, GM), Wendell Strode (The National Corvette Museum), Walt Thurn (Corvette Historiker), Mike Vietro (Corvette Mike), Steve Weber (Corvette Design Ingenieur, GM), Mike Yager (Mid America Designs, Inc.), Jeff Yanssens (Ingenieur für Corvette Fahrgestellentwicklung, GM), Paul Zazarine (Corvette Magazine) und natürlich wie jedes Jahr die "First Lady of the Corvette" Elfi Arkus-Duntov, die Witwe des legendären Corvette Entwicklungsingenieurs der ersten Tage - Zora Arkus-Duntov, der bis zu seinem Tode vor einigen Jahren ebenfalls alle wichtigen Corvette-Veranstaltungen besuchte.

Elfi Duntov mit A. M. Riekmann

A. M. Riekmann im Gespräch mit Elfi Arkus-Duntov

Über alle drei Tage erstreckte sich die Bewertung der unzähligen Showcars, die von sachkundigen Spezialisten, den sogenannten "Judges", auf Originalität nach den sehr, sehr strengen Richtlinien der "NCRS", der "National Corvette Restorers Society" durchgeführt wurde. Für jedes Detail am Fahrzeug werden Punkte für Origialität und Zustand vergeben, alles muss funktionieren, jede Gussnummer und der verschlüsselte Datumscode auf jedem Aggregat muss stimmen, will man nicht einen Punkteabzug riskieren. Ein Fahrzeug, welches annähernd die Höchstpunktezahl erreicht, ist am Sammlermarkt besonders gefragt und erzielt immer Höchstpreise. Verständlich, dass alle Teilnehmer peinlichst genau auf jedes auch noch so kleine Detail achteten.

Judges bewerten Corvette

Judges bei der Bewertung

Leider sind viele dieser Fahrzeuge echte "Trailer Queens", also Autos, die seit der Restaurierung keine Meile mehr gefahren wurden und nur mehr mit dem Anhänger von einer Ausstellung zur anderen transportiert werden. Einerseits ist es natürlich verständlich, wenn Leute hundert tausende Dollars investieren, dass sie sehr vorsichtig sind, andererseits macht doch eine Corvette erst richtig Spaß, wenn man auch mal "Stoff" geben kann! Da freute man sich besonders, dass auch Leute, die mit ihren Autos per Achse von weit her angereist waren ebenfalls einen "Top Flight" erreichen.

Corvette Grand Sport Replik

Corvette Grand Sport Replik

Nicht unerwähnt darf natürlich der eigentliche Hauptteil der Veranstaltung bleiben: Der Teilemarkt. Oberste Maxime dort hieß: "Wenn Du etwas kaufen willst, nimm es sofort wenn Du es siehst"! Man schaffte es nämlich kaum an dem selben Stand ein zweites Mal vorbeizukommen, zu groß war das Gelände, auf dem tausende Anbieter ihre Schätze feilboten.

Teilemarkt

Teilemarkt

Hier gab es alles was nur vorstellbar war. Vom ganzen Auto bis zur kleinsten Beilagscheibe wurde hier alles angeboten. Vom kleinen Hinterhofbastler bis zu den großen etablierten Firmen, alle versuchten ihre Waren oder Dienstleistungen an den Mann oder natürlich an die Frau zu bringen.

Vergaser für alle Modelle

Vergaser für alle Modelle

Seltene Spezialteile für das Modell 1953, von dem nur 300 Stück erzeugt wurden, bekam man hier ebenso wie ganz ordinäre Verschleißteile für den aktuellen Corvette-Jahrgang. Natürlich reichlichst vertreten waren Hersteller und Anbieter von allen erdenklichen Zubehörteilen, seien es nur billige Chromteile oder sündteure Tuningteile - es gab hier einfach alles! Neu, gebraucht oder überarbeitet, ganz wie man wollte - oder besser gesagt, wie es der Geldbeutel es zuließ! Auch viele Corvetteliebhaber, die gerne ihre Restaurierungen selbst durchführen wollten hier fündig. Eine Unmenge an unrestaurierten und teilrestaurieten Fahrzeugen warteten auf neue Besitzer.

Corvette 1955 Restaurierungsobjekt

Corvette 1955 für beherzte Zeitgenossen um 35.000 $

Pechvögel, die mit ihrer Corvette in einen Unfall verwickelt wurden, hatten hier Glück! Für jedes Modell waren komplette Vorbauten oder Heckteile zu finden, manche zu sehr günstigen Preisen. Auch sonstige Havarieteile waren in gebrauchter Form erhältlich. Etliche Komponenten wie Motoren oder Antriebsstränge von neuen Corvettes mit ganz wenig Meilen Laufleistung aus Unfallwagen wurden ebenfalls sehr preiswert angeboten und warteten auf Wiederverwendung. Sogar ein komplettes Chassis mit allen Komponenten stand zur Verfügung um in einem neuen "wilden" Projekt als Hot Rod wieder zum Leben erweckt zu werden.

Corvette T-Top 1969

Sting Ray 1969

Alles in allem handelte es sich bei der heurigen Veranstaltung "Corvettes at Carlisle" um einen großen Erfolg. Alle Teilnehmer werden sie in guter Erinnerung behalten und freuen sich bereits auf die 19. Ausgabe im August 2000!

Viper-Vette

Viper-Vette für Unentschlossene

 


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