1973 beendete die „Internationale Österreichische Alpenfahrt“ als Rallye-Weltmeisterschaftslauf ihre seit 1910 dauernde Tradition. Auslösendes Moment war damals die erste Ölkrise. Ein Jahr nach der fulminanten Wiederaufnahme dieser ältesten Rallye der Welt im Jahre 2002 als „Classic Rallye“ feiert die Alpenfahrt heuer ihr 30-Jahre-danach-Jubiläum. Entsprechend dem Ereignis und dem Starterfolg des Vorjahres, wurden heuer noch mehr prominente Teilnehmer erwartet. Start-, Ziel- und Veranstaltungsort war wie gewohnt, Bad Kleinkirchheim. Teilnahmeberechtigt waren Fahrzeuge der Baujahre 1910 bis 1973.

Susanne Egger aus St. Johann auf Jaguar XK 140

Teilnehmer und Zuseher durften sich auf spannende sportliche Wettkämpfe freuen. Dabei brachte Vorjahressieger Rudolf Schraml – wie im Vorjahr auf Ferrari Dino 246 GT (Baujahr 1971) – seinen schärfsten Konkurrenten gleich selbst mit: Die finnische Rallye-Legende Rauno Aaltonen der fliegende Finne, Rallye-Europameister von 1965, Monte Carlo-Sieger 1967 sowie Ennstal-Classic-Champion 1998. Aaltonen setzte dabei heuer auf Porsche 911 S.

 Rallye-Legende Rauno Aaltonen mit Artur M. Riekmann

Zu den Favoriten zählte auch Peter Denzel, der in einem ganz besonderen Auto zur Alpenfahrt antrat: einem Denzel 1500 (Baujahr 1955), der sich schon einmal in die Siegerlisten eintragen konnte – Peter Denzels Vater Wolfgang gewann mit diesem Wagen seinerzeit die Alpenfahrt. Als Geheimtipps für 2003 galt auch noch Paul-Ernst Strähle, Rennsportlegende der 50er und 60er-Jahre, auf Porsche 356 Carrera sowie Anton Pfaff auf Lancia Flaminia Sport Bertone (Baujahr 1961), mit dem er 1999 die Ennstal Classic gewinnen konnte.

Paul Ernst Strähle bei der Routenbesprechung

Aus der Fülle der heuer für die Alpenfahrt genannten automobilen Pretiosen sei hier nur eine kleine Anzahl herausgegriffen: Da gab es den schwarzen Bugatti 37 A (Baujahr 1928), mit Christian Hübner aus Maria Enzersdorf in das Geschehen eingreifen wollte. Trotz guter Leistungen beim Nachtprolog am Donnerstag und teilweise am Freitag fiel das legendäre Fahrzeug leider wegen eines technischen Gebrechens aus.

Bugatti 37 A

Als ebenso legendär wie das vorhin genannte Fahrzeug darf wohl das als nächstes erwähnte Auto gelten: Ein originaler von Carroll Shelby für Rennen adaptierter AC Cobra 427 SC, den der überaus sympathische Dipl. Ing. Heinz Schmersal aus Wuppertal an den Start brachte. Dieser Wagen durfte wohl von Vielen (den Autor eingeschlossen) als eines der tollsten Fahrzeuge eingestuft worden sein. Den lautesten Spektakel machte er in jedem Fall! Fest stand, dass die Cobra in dieser Konfiguration für die engen besonders kurvenreichen Bergstrecken nicht optimal zu geeignet war. Da bereits der erste Gang bis 115 km/h reichte, wurden die engen Kurven praktisch ausschließlich mit durchgetretenem Kupplungspedal gefahren!

Extrem: Originaler AC Cobra 427 SC Racing mit 550 PS

Ein unter Liebhabern der Rallye-Szene heiß begehrtes Modell stellte der von Rudolf Bromberger mitgebrachte Lancia Stratos HF von 1973 dar. Das Auto kam in vollem Rallye-Trim und sehr auffälliger Lackierung. Dass dieses Fahrzeug die Aufmerksamkeit aller Zuschauer erweckte, darf wohl als gegeben betrachtet werden!

Peter Bromberger mit seinem Lancia Stratos HF

Ein ganz kostbares Stück stellte der Mercedes 190 SLR dar, mit dem der Schauspieler Claus-Theo Gärtner, alias "Matula" die extrem selektive Strecke bezwingen wollte. Selektiv deshalb, weil das Routing – dem Wunsch der Teilnehmer entsprechend – um weitere herausfordernde Sonderprüfungen und schwierige Streckenführungen ausgebaut wurde. Gärtner war nicht der einzige Prominente, der an den Start ging. US-Car Driver und Rock'n'Roll Sänger Andy Lee Lang, Skilegenden Franz Klammer oder Olympiasieger Fritz Strobl waren ebenso aktiv wie die bekannte Schauspielerin Elke Winkens.

Der Jaguar MK II von William und Elena McTighe aus USA

Besonders gefeiert wurde ein Ehepaar aus New Jersey, USA, welche eigens für die Rallye von Amerika nach England geflogen war, sich dort einen Jaguar MK II gemietet hatte und direkt nach Bad Kleinkirchheim gekommen war. Die beiden hatten so viel Spaß an der Alpenfahrt, dass sie versprachen im nächsten Jahr wieder dabei zu sein und einige Freunde mit deren Autos mitzubringen!

Ski-Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl war mit von der Partie

Neben den Highlights Großglockner, Nockalm und Turracher Höhe absolvierten die Teilnehmer bei der so genannten Alpenrunde am Freitag, dem 19. September, nicht nur einen größeren Streckenabschnitt in Italien, sondern wurden auch zum EU-Aspiranten Slowenien gelotst. Dort erwartete sie rund um den Triglav, mit 2863 m Seehöhe der höchste Berg Sloweniens, eine weitere Herausforderung für Fahrer und Fahrzeug, Mensch und Maschine.

Dr. Gert Pierer im Drift mit Volvo 544 Sport von 1964

Bei der Alpenfahrt handelt es sich um keine Touristische Rundfahrt, sondern um Motorsport im wahrsten Sinne des Wortes, obwohl nicht Top-Speed gefragt ist, sondern präzises Fahren. Jedes der etwa 110 Teilnehmer-Teams erhielt beim Start eine Bordkarte und ein dickes Roadbook mit der genauen Beschreibung der Streckenführung. Die exakt einzuhaltenden Fahrzeiten waren auf den Bordkarten vermerkt.

Auch Kundenfahrzeuge nahmen teil: Rainer Pürzelmayer auf Mercedes 280 SE

Überwacht wurde die genaue Einhaltung der Fahrzeiten durch offizielle Zeitkontrollen, geheime Zeitkontrollen, sowie beschilderte und geheime Passierkontrollen. Sobald eine Kontrolle nicht angefahren wurde, erfolgte ein Ausschluss des Teams aus der Rallye. Innerhalb der Tagesetappen warteten auf die Teilnehmer insgesamt 27 Sonderprüfungen, auf denen die Fahrzeuge eine vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeit präzise, auf die Hundertstel-Sekunde genau einhalten mussten.

Corvette von Kurt Schmidradler

Wie bereits im vergangenen Jahr bewährt, setzte sich die Veranstaltung auch heuer aus drei Abschnitten zusammen. Der Startschuss zu dieser 46. Internationalen Österreichischen Alpenfahrt fiel am Donnerstag, dem 18. September, um 16.00 Uhr. Der als Nachtprolog definierte Einstieg führt über rund 190 Kilometer, als erste Sonderprüfung musste die Turracher Höhe bezwungen werden.

Traumhafte Fahrstrecke

Klassische Alpenfahrt-Herausforderung bot dann die so genannte Alpenrunde am Freitag, welche die Teilnehmer unter dem Motto „Senza Confini“ quer durch die österreichischen Alpen und die Bergwelt der Nachbarländer Italien und Slowenien führte. Auf rund 500 km anspruchsvollster Streckenführung stellen sich die Fahrer und Fahrerrinnen den Herausforderungen von Nockalm, Großglockner und Triglav. Wichtigster Etappen-Ort in Italien war die friulinische Kommune Gemona mit ihrem historischen Stadtkern, bedeutendster in Slowenien der prominente Wintersportort Kranjska Gora.

Seltener Facel von Gerhard Kornfeld mit 283er Corvette Motor

Dritter und letzter Fahrtag war die so genannte Seenrunde am Samstag, die über rund 350 Kilometer durch die reizvolle Kärntner Seenlandschaft führt – berührt wurden Millstätter See, Faaker See, Klopeiner See und Wörther See. Einer der showmäßigen Höhepunkte dieses Tages war der Le-Mans-Start am Hauptplatz in Villach. Station mit publikumsträchtigen Sonderprüfungen machte die Alpenfahrt auch in der Landeshauptstadt Klagenfurt sowie in Velden, St.Veit an der Glan und Feldkirchen.

"Matula" Claus-Theo Gärtner auf 190 SLR  mit Artur M. Riekmann in Velden

Chefmoderator der Veranstaltung war auch dieses Jahr wieder Formel-1-Guru Heinz Prüller, als Ehrenvorsitzender fungiert seit 2002 Ferrari-Rennsportchef Jean Todt, der 1973 gemeinsam mit Achim Warmbold auf BMW den letzten Alpenfahrt-WM-Lauf gewinnen konnte. Sein damaliger Konkurrent Ove Andersson, heute Toyota-F1-Chef, seinerzeit auf Toyota 2000 GT unterwegs, hatte 1971 die begehrte Trophäe errungen. Beide Teamchefs brachten in persönlich gestalteten TV-Interviews bereits im Jahre 2002 ihre Genugtuung über das Revival dieses legendären Bewerbs zum Ausdruck.

Artur M. Riekmann mit Heinz Prüller beim Gala-Dinner

Die Internationale Österreichische Alpenfahrt galt bereits als Klassiker, als sie 1910, in den späten Tagen der Monarchie und in den frühen Tagen des Rennsports, aus der Taufe gehoben wurde. Sie war die schwerste Bergprüfung ihrer Zeit. Nach den beiden Weltkriegen, bis zu ihrem Ende 1973, zählte die Alpenfahrt zu den bedeutendsten Rallyes in Europa. Sie war eine der schwierigsten und gleichzeitig attraktivsten Veranstaltungen, wurde in einem Atemzug mit Topevents wie der Mille Miglia oder der Rallye Monte Carlo genannt und hatte sich darüber hinaus einen Hauch von imperialem Flair aus den Gründertagen erhalten.

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