Die Geschichte der Benzinmarke Gilmore


Werbeslogans wie „Blue Green Gas“, „Roar with Gilmore“ oder „Gilmore The Record Braker“ gehörten zum Alltag der Zwanziger- und Dreißigerjahre, man las sie in Zeitungen und Plakaten oder hörte sie über das Radio. Es sind dies Sprüche mit denen die Gilmore Oil Company um ihre Kunden warb.

Die Wurzeln der Gilmore Oil Company gehen zurück bis ins Jahr 1900. In diesem Jahr wird die A.F. Gilmore Company gegründet. 1923 wird diese und die Gilmore Petroleum Company schließlich zur Gilmore Oil Company zusammengeschlossen, sie besitzt die Lizenz in den Staaten Kalifornien, Oregon und Washington Ölprodukte zu raffinieren und zu vertreiben. In späterer Folge engagiert man sich auch noch im Ausland.

Autorennen, Radiosendungen, ein durch die Lande ziehender Zirkus, Rekordfahrzeuge zu Land im Wasser und in der Luft, eine Löwenfarm und das „Gilmore Stadium“ in West Hollywood, in dem unzählige Autorennen gefahren wurden, sind nur einige der Werbeattraktionen, die diese Firma in den Zwanziger- und Dreißigerjahren in aller Munde populär machten. Auf ihrem Höhepunkt betrieb Gilmore ein Netz von 3.500 Tankstellen in den drei Staaten an der Westküste der Vereinigten Staaten. Heute sind Sammlerstücke die in mit dieser Benzinmarke in Zusammenhang stehen natürlich weit über diese Grenzen hin ganz besonders gesucht und entsprechend teuer!

Earl B. Gilmore, der Sohn des Firmengründers, war ein wahrer Meister des Marketings. Sein unendlicher Ideenreichtum und sein Tatendrang konnte einzig und alleine durch die Übernahme der Firma durch die Socony-Vacuum Company im Jahre 1940 beendet werden. Diese ist übrigens heute ein Teil des Mobil-Konzerns. Der Gilmore Löwe, der praktisch jedes Produkt der Firma zierte, wurde von Earl Gilmore im Jahre 1913 eingeführt. Da er der Meinung war, dass seine Produkte die „Könige von Allen“ wären, war die Verbindung zum „König der Tierwelt“ nicht weit. Über die Jahre wurde der Löwenkopf zum Symbol der Produktqualität der Marke, aber sonst nicht viel mehr. 

Eine typische Gilmore Tankstelle

Dies änderte sich schlagartig als Col. Roscoe Turner, ein wilder und wagemutiger Flieger auf der Bildfläche erschien. Jener Turner, der sein Können sogar in dem Hollywoodfilm „Hells Angels“ von Howard Hughes unter Beweis gestellt hatte. Die meisten der vielen Stuntflüge und ein Großteil der haarsträubenden Flugmanöver wurden von Turner selbst geflogen. Leider hatte die Rezession auch ihn nicht verschont. Um weiter mit seinem eleganten Packard 645 mit Holbrook-Karosserie durch Hollywood streifen zu können, musste ihm etwas einfallen um den Geldfluss wieder in Gang zu bringen. Er sah zufällig eine Werbung von Gilmore mit einem brüllenden Löwen und hatte die zündende Idee! Er würde mit seinem Flugzeug die Staaten der Westküste abklappern – mit einem echten Löwen als Copiloten! Die Rechnung dafür sollte natürlich Gilmore übernehmen. Turner rannte mit seiner Idee bei Earl Gilmore natürlich offene Türen ein, schließlich war es ja dieser selbst, der den Löwen viele Jahre zuvor als Markenzeichen eingeführt hatte! Ein kleines Problem hatte Turner mit seiner Idee aber schon – er hatte keinen Löwen! Einen ausgewachsenen Löwe konnte er sich nicht leisten, aber für ein fünf Wochen altes Löwenbaby reichte sein Budget. Im Laufe der nächsten sieben Monate flog Turner mit seiner Lockheed Air Express und dem kleinen Gilmore, dem Löwen, im offenen Cockpit fast 50.000 Kilometer.Überall wo die beiden auftauchten gab es einen Ansturm der Massen. Sämtliche Massenmedien berichteten laufend über das Geschehen. Diese Veranstaltungen hatten eine ungeheuere Werbewirksamkeit für die Marke Gilmore. Das Treiben rief sogar den Tierschutzverein auf den Plan. Diese setzte im Rahmen seiner Statuten „Sicherheit für Tiere“ durch, dass Gilmore der Löwe während seiner Flüge einen eigenen Fallschirm tragen musste! 

Aber auch Tierbabys wachsen leider schön langsam, so auch Gilmore der Löwe – er wuchs aus seinem offenen Cockpit hinaus und musste nunmehr auf der Erde bleiben. Er reiste weiter durch Kalifornien in einem eigens für ihn angefertigten „Käfig-Lastwagen“. Die Tour, von etlichen Zirkuswagen und Clowos begleitet, begann im zeitig im Frühjahr und endete jedes Jahr im Spätherbst. Jene Tankstellen, die während einer Saison nicht besucht werden konnten, kamen im darauffolgenden Jahr dran. Gilmore der Löwe ging schließlich im Jahr 1941 in Pension und starb 1947. Er wurde ausgestopft und existiert heute noch in der Sammlung des „Smithsonian Air and Space Museum“ in Washington D.C. Er steht stolz in der Haupthalle neben Roscoe Turners Flugzeugen und trägt eine rote Gilmore-Decke über seinem Rücken. Auch Turners Packard kann heute noch bewundert werden, denn der steht im „Indianapolis Motor Speedway Museum“. Roscoe Turner selbst machte weiter und stellte mit seiner neuen Maschine, einer Wedell-Williams 44 für die Benzinmarke Gilmore eine Menge Rekorde auf.

Den Slogan „Gilmore, the Record Breaker“ verdiente man sich auf den diversen Rennstrecken. Die Gilmore Oil Company finanzierte etliche Rennwagen, so auch den „Gilmore Speedway Special“ einen Wetteroth-Offenhauser der 1935 das Indianapolis 500 gewann oder den „Shaw-Gilmore Special“ einen Shaw-Offenhauser, den Wilbur Shaw 1937 zum Sieg fuhr. Aber auch John Cobb’s „Railton Red Lion“, der 1939 mit 588 km/h einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord auf den Salzsee von Bonneville aufgestellt hatte, war gesponsert von Gilmore. Ein Jahr später sponserte man Ab Jenkins und seinen Marmon Meteor für eine 24-Stunden-Fahrt bei der dieser 21 neue Geschwindigkeits- und Dauerhaftigkeitsrekorde aufstellte. Im Laufe der Dreißigerjahre stellten von Gilmore gesponserte Autos, Motorräder und Boote mehr als 500 Rekorde auf. Earl Gilmore war ein so fanatischer Autorennsportanhänger und -finanzier, dass man ihm 1941 die Eddy Edenburn Trophy überreichte, die jene Person erhielt, die das meiste zur Förderung des Motorsports beigetragen hatte.

Die Anstrengungen Gilmores wandten sich jedoch auch anderen Gebieten zu. Als Partner wurden nur wohlhabende finanziell gesicherte Geschäftsleute akzeptiert. Die Tankstellen dieser Ölgesellschaft waren modern und sehr sauber. Alles war in den Farben der Firma – creme und rot – gestrichen. Die Gebäude waren mit karierten Flaggen und wunderschönen Emailschildern geschmückt. Zumindest einmal monatlich kam ein Repräsentant der Firma um die Einhaltung dervorgeschriebenen Richtlinien zu kontrollieren und um die neuesten Werbeartikel mitzubringen, die sich ungeheurer Beliebtheit erfreuten. Für die Kinder gab es löwenförmige Schlecker, Gilmore Comic-Hefte und eine eigene Zeitung für Kinder. Mit etwas Glück konnte man sogar dabei sein wenn gerade der Gilmore Zirkus auf einer der Tankstellen seine Vorstellung gab. Papa durfte meisten ab diesem Zeitpunkt den Tank seines Autos bei keiner anderen Benzinfirma füllen lassen! Aber auch um die Gunst der weiblichen Kundschaft war man bemüht. Man warb mit besonders sauberen Toiletten und sehr höflichen Angestellten. Neben dem Treibstoff verkaufte man Gilmore-Batterien, Norwalk-Reifen und führte sogar eine eigene Gilmore-Kreditkarte ein.Jeden Freitag gab es im Radio das „Gilmore Fun Circus Program“. Die Hörer wurden aufgefordert zum Gilmore-Werbesong „Blue-Green, the Longest Song in the World“ jeweils eine neue Strophe zu texten und einzusenden. Die drei Gewinner jeder Woche wurden mit einem Gutscheinheft im Werte von 5 $ belohnt, welches an den Gilmore-Stationen gegen Waren oder Treibstoff eingetauscht werden konnte. Der Monatssieger erhielt gar 100 $, keine kleine Summe in der Zeit der Depression!

Diese Werbemaßnahmen schufen ein stabiles Tankstellennetz und bewirkten eine enorme Markentreue bei den Kunden. Gegen Ende der Dreißigerjahre verkaufte man in Kalifornien, Oregon und Washington 400 Millionen Liter Treibstoff! Um 1940 herum hatte die Socony-Vacuum Company über 75 Prozent der Gilmore Aktien aufgekauft und die Gilmore Oil Company 1945 in das eigene Unternehmen integriert. Von 1940 bis 1942 lief der Vertrieb wie bis dahin unter Gilmore. 1942 begann dann die Umstellung auf Mobil. Manche unabhängige Händler wechselten zu anderen Benzinmarken, andere machten die Umstellung mit, den Pächtern blieb sowieso nichts anderes übrig als gezwungenermaßen umzustellen. Dies war also das Ende von Gilmore. Mit dem Verschwinden dieser Marke verschwand leider auch der Zauber, der von ihr ausging. 

Gilmore Sammlerstücke sind heutzutage sehr gefragt und teuer

 


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