Gerry Steiner - der schnellste Österreicher der Welt!


Als irgendwann im Jahre 1997 einer der hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrer der Nostalgia Drag Racing Szene „Nitro“ Neil Bisciglia,  von der amerikanischen Ostküste stammend, in einem Rennen die dominierenden Stars der kalifornischen Westküste, die bereits vor dessen Geburt erfolgreich Frontmotor-Dragster fuhren herausforderte, lernte Neil eine entscheidende schmerzhafte Lektion! Wie er es gewohnt war, schoss der schnell reagierende junge Mann beim Start des Rennens als Erster vom Start weg. Sein Gegner Gerry Steiner erwischte den Start weniger gut, die wuchtigen Antriebsräder begannen durchzudrehen, fingen an sich in Rauch aufzulösen und das Heck seines Dragsters begann auszubrechen. Steiner musste das Gaspedal zurücknehmen um nicht von der Strecke zu fliegen. Für Bisciglia lief alles gut und der Rennwagen hielt stabil die Spur. Aus den Augenwinkeln beobachtete er Steiners Probleme und bemerkte, dass dieser zurückblieb. Glücklich über das leichte Spiel, und den bevorstehenden Gesamtsieg drückte er kurz vor der 400-Meter-Ziellinie das Kupplungspedal und griff zum Hebel der den Bremsfallschirm auslöst. Das Leben schien doch wunderbar zu sein! „Die Westcoast-Burschen sind ja scheinbar doch nicht so gut wie man immer sagt“ dachte Bisciglia. In diesem Augenblick raste Gerry Steiner mit voll geöffneten Drosselklappen und explosionsartigem Brüllen seines riesigen Donovan Rennmotors an dem geschockten Neil Bisciglia vorbei und schaffte es tatsächlich die Räder seines Dragsters um einige Zentimeter früher über die Ziellinie zu schieben als sein Gegner und gewann dieses entscheidende Rennen! Als seine Boxenmannschaft auf sein Auto zukam um ihm aus dem Rennwagen zu helfen, hatte Bisciglia bereits Selbstmordgedanken! Der Besitzer des Dragsters, Pete Jensen, für welchen Neil Bisciglia fuhr, tröstete ihn mit den Worten: „Wir sind selbst schuld, einer von uns hätte es Dir sagen müssen: „Steiner lässt niemals nach!“

Vor mehr als drei Jahrzehnten fuhr Gerry Steiner das erstemal in einem Top Fuel Dragster über die Startlinie eines Dragstrips. Er arbeitet damals im Rennteam von Tom Prufer und betreute dessen Rennwagen den „Power King“. An diesem Sonntag traf man sich auf dem Dragstrip in Fresno um Testfahrten zu absolvieren, doch einzig der Fahrer Bob Smith tauchte nicht auf. Prufer wusste wie gerne Steiner einmal am Steuer eines Top Fuelers sitzen wollte und ließ sich überreden. Steiner hatte nicht viel Ahnung vom Fallschirm und den Bremsen, er dachte darüber eigentlich erst nach als er bereits mit Höchstgeschwindigkeit über die Ziellinie hinwegschoss, mit entsprechenden Folgen.....! Tom Prufer war darüber zwar nicht sehr erfreut, stellte Steiner aber wegen der phantastischen Zeit, die er herausgefahren hatte trotzdem sofort als Fahrer ein.

Kaum zu glauben, war Gerry, der in Wien aufwuchs, doch erst fünf Jahre früher im Alter von 16 Jahren mit seiner Mutter im Zuge einer Urlaubsreise 1956 nach Kalifornien gekommen. Als er dort die tollen Autos sah und die grenzenlose Freiheit Amerikas erfuhr, gab es für ihn keinen Weg mehr zurück nach Wien. Der Vorsatz mit 18 dort eine Karriere als Profi im österreichischen Radrennsport zu beginnen war sofort vergessen. In Österreich war es absolut unmöglich für junge Leute ein Auto zu besitzen. In Amerika hatte er sofort einen Wagen und fing an zu lernen alle Reparaturen selbst durchzuführen. Für ein paar Freunde von der High School, die er dort besuchte, fuhr er Rennen mit einem 49er Ford. Sein geheimer Wunsch jedoch waren Rennen mit Sportwagen. Dies schaffte er auch, mit einer 1957er Corvette bestritt er SCCA-Rennen, die vom Sports Car Club of America veranstaltet wurden. Er fuhr tatsächlich Rennen gegen Größen wie Sterling Moss und sogar gegen den berühmten, gefürchteten und siegreichen Ol’ Yaller von Max Balchowsky. 

Ol' Yaller

Der gefürchtete Ol' Yaller mit Startnummer 70 im Einsatz

Leider war mit den SCCA-Rennen kein Geld zu verdienen, wenn man nicht ganz vorne mitfuhr. So nahm er die Corvette zu den Beschleunigungsrennen nach Fremont und versuchte sein Glück dort. Als er seinen ersten gewonnenen Pokal um 5 $ verkaufte sagte er sich: „He, hier ist ja Geld zu verdienen!“ Seit diesem Zeitpunkt fand man Gerry Steiner während der 60er- und 70er-Jahre praktisch jedes Wochenende am Dragstrip und er „erfuhr“ sich im Laufe dieser Zeit großen Respekt innerhalb der Renngemeinschaft und bei all seinen unzähligen Fans. Das meiste Geld verdiente er während der Saison 1963 mit einem werksgesponserten Plymouth Super Stocker. Bis Mitte der 70er-Jahre bestritt er viele NHRA-Rennen mit einem eigenfinanzierten Alkohol-Funny-Car. Gerry Steiner hatte mittlerweile eine Werkstätte für Motoreninstandsetzung gegründet. Neben Motorüberholungen für viele Autowerkstätten in der Umgebung seines Wohnsitzes San Jose baute er für viele berühmte Drag Racer die Motoren. Seit der Gründung der Firma US-Automobile Riekmann ist Gerry auch Geschäftspartner, Berater und Kunde unseres Autohauses. Er ist eines unserer Standbeine in den USA. Bis vor wenigen Jahren baute er auch viele Motoren für etliche bekannte Rennfahrer der deutschen Drag Racing Szene, die er bis heute noch unterstützt.

Familie Steiner

A.M. Riekmann mit Gerry Steiner und dessen Mutter und Tochter

Gegen Ende der 70er-Jahre versuchte ihn Tom Prufer, sein Freund aus alten Zeiten, zu überreden bei seinem neuesten Projekt mitzumachen. Prufer wollte alljährlich ein Rennen für Street Rods und historische Dragsterfahrzeuge am Dragstrip von Fremont veranstalten. Gerry Steiner stimmte schließlich zu und baute sein eigenes Fahrzeug entsprechend um und konvertierte den Motor gleich auf die Königsklasse –  Nitro Burning Top Fuel! Bei den ersten Rennen machte er – außer Konkurrenz – reine Demonstrationsläufe. Mit seinem „Fuel Altered“ sorgte er für rasendes Publikum indem er vom Start weg die komplette Renndistanz mit durchdrehenden und fürchterlich rauchenden Hinterrädern zurücklegte. Kein Wunder, dass Gerry Steiner als „The Mad Austrian“ oder Gerry „The Panzerman“ Steiner bereits jetzt in die Geschichte des Drag Racing eingegangen ist. 

Nach kurzer Zeit explodierte dieses populäre Event förmlich, so dass man beschloss ein eigenes Reglement für die vielen originalen historischen Dragster, die plötzlich auftauchten, auszuarbeiten. Tom Prufer und sein Partner Brian Burnett setzte sich mit Steiner zusammen und arbeiteten die Bestimmungen aus. Die NDRA, die Nostalgia Drag Race Association, kümmerte sich fortan um die Belange der Nostalgie-Rennszene. Mittlerweile entdeckte Gerry Steiner einen alten von dem damaligen Chassis-Guru Tommy Ivo gebauten Dragster. Er restaurierte das verdiente alte Stück und bestritt damit einige Saisonen in der Alkohol-Klasse. Im Jahre 1985 entdeckte Gerry Steiner das besonders berühmte und erfolgreiche 1934er Ford „Fuel Coupe“ von Mooneyham & Sharp welches Dank seiner besonderen glorreichen Rennerfolge während der 50er-Jahre bei allen Drag Race Fans unter seiner ursprünglichen Startnummer „554“ bekannt war. Brian Burnett finanzierte die aufwendige Restauration, die kein geringerer als Roy Brizio, der Hot Rod Spezialist Nummer Eins in der Kalifornischen Szene, perfekt ausführte. Den Motor und den Antriebsstrang baute natürlich Gerry Steiner selbst! Nachdem Gerry das berühmte Coupe über zwei Saisonen lang in spektakulärster Weise als absoluter Publikumsliebling über die Viertelmeile pilotierte wurden ihm die ewigen Demonstrationsläufe ohne Gegner langweilig. 

Mooneyham & Sharp Coupe

Steiner im Mooneyham & Sharp Coupe am Fremont Dragstrip

Der gute alte 554 wurde also verkauft und Gerry Steiner fand ein altes Dragsterchassis, welches vor ewigen Zeiten einmalWoody Gilmore zu Ruhm und Ehren verholfen hatte. Man vermutet heute, dass das von Steiner liebevoll neu aufgebaute Rennauto der erfolgreiche verloren geglaubte „Warren, Coburn & Miller Fueler“ ist. Dieses Autos stellte von 1988 bis 1991 den Standard in der Nostalgieklasse dar, den es zu schlagen galt! Gerry gefiel dieses Auto so gut, dass er einen seiner Crewleute den Künstler Roger Lee bat das Originaldesign von Woody Gilmore zu überarbeiten und neue Pläne zu Papier zu bringen. Gerry bat den Chassis-Spezialisten Rob Sterling nach den Zeichnungen ein neues Chassis zu bauen. Dieses wurde daraufhin mit dem alten Gusseisen-Hemi-Motor seines Partners Ron Welty ausgestattet. Ein Jahr später nahm Steiner eine Hypothek auf sein Haus auf um sich seinen ersten Donovan-Motorblock aus Aluminium und eine spezielle ziemlich teure Kurbelwelle zu leisten. Beide Komponenten scheinen eine gute Investition gewesen zu sein, denn sie sind noch bis heute in Verwendung! Außerdem verhalfen sie Gerry Steiner trotz „nur“ 396 Cubic Inches Hubraum zu einem der schnellsten je gebauten Frontmotor-Dragster und, wie man sich in Fachkreisen einig ist, auch zu dem lautesten!

Gerry Steiner

Gerry und sein Rennwagen

Auch bei seinem neuesten Auto bleibt er diesem Hubraum treu, denn was in den alten Tagen erfolgreich war muss auch heute funktionieren! Gerry ist übrigens auch der Meinung, dass durch den kleineren Hubraum auch die Kurbelwelle etwas weniger belastet wird, außerdem hält er sich auch bei den Drehzahlen etwas zurück – so etwa bis um die 9.000 U/min. Genau weiß er es eigentlich nicht, denn Brad Berger, sein Crew-Chef und er selbst sind der Meinung auch ohne Computer auszukommen, schließlich handelt es sich ja um „Nostalgie-Rennen“. Außerdem kennt er sich mit Computern gar nicht aus, vielleicht hat er auch Angst vor ihnen, meint er selbst.

 Donovan Motor

Letzte Arbeiten am mächtigen Donovan-Motor vor dem Rennen

Wenn er nach seinen Sponsoren gefragt wird sagt Gerry nach einem kurzen Augenblick der Stille: „Niemand, wirklich! Wir tragen alle Kosten selber. Sogar die Crew arbeitet umsonst. Wenn ich etwas Geld gewinne, lade ich alle zum Essen ein!“. Brad Berger, seit über 20 Jahren Gerry’s Crew-Chef, wird unterstützt von seiner Frau Lisa Berger, Gerry’s Tochter Gerilyn, Kit Ferris, Jeff Harris, Mike Huger, Roger Lee, Ron Welty, und Bill James, einem Freund von Mert Littlefield dem Kompressorkönig. Letzterer geht Gerry zur Hand wenn es um die Wartung des riesigen 6-71er Kompressors geht.

Trotz der besonderen Erfolge, die Gerry Steiner besonders in der vergangenen Saison feiern durfte, ist er der Meinung, dass Drag Racing in den 50er- und 60er-Jahren mehr Spaß machte: „In den alten Tagen konnten wir es uns leisten jeden Samstag und Sonntag an den Rennen teilzunehmen. Es war nicht so viel Geld im Spiel um vorne mit dabei zu sein!“, meinte Gerry und ähnliches lässt sich heute wahrscheinlich für die meisten Sparten im Motorsport sagen. „Außerdem“, so Steiner, „in einem modernen Heckmotor-Dragster bin ich 384 km/h gefahren und es war „nur“ eine schnelle Fahrt, wenn man allerdings mit einem Frontmotor-Dragster Stoff gibt, ist es schlichtweg eine Sensation – einfach eine andere Welt!“

Autogrammkarte Gerry Steiner

Gerry Steiner's neuer erfolgreicher Dragster

In der vor Kurzem zu Ende gegangenen außergewöhnlich erfolgreichen Rennsaison 2002konnte Gerry Steiner einen besonderen Rekord aufstellen. Er fuhr mit seinem Top Fuel Frontmotor-Dragster die Viertelmeile in einer sensationellen Zeit von 5.93 Sekunden und schoss mit 398 km/h durch das Ziel! Beide Werte gelten als bisheriger Rekord in dieser Rennserie! Außerdem gewann er für die Saison den Weltmeistertitel in der Nostalgia Top-Fuel-Dragster Kategorie, der absoluten Königsklasse. Dies bestätigt den Slogan, der bereits seit vielen Jahren um Steiner kursiert: „Gerry Steiner – The World’s Fastest Austrian“ –  denn auf diese Geschwindigkeit kam nämlich selbst Niki Lauda bei weitem nicht! Auf seine österreichische Herkunft ist Gerry ganz besonders stolz - auf jedem seiner Rennautos findet sich an irgend einer Stelle das rot-weiß-rote Band!

 


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